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Drei Briefe an die Freunde deutscher Afrika-Forschung, colonialer Bestrebungen und der Ausbreitung des deustchen Handels / von Ed. Robert Flegel
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sich erschließen lassen, nicht zu spät kommen, so könnte der Vorstand der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland, unterstützt dnrch Beiträge von Interessenten an der Ausbreitung des deutschen Handels in dem beregten Gebiete und von Freunden eolonisatorischer Bestrebungen und unterstützt auch wahrscheinlich von der deutschen Regierung, die Sache mit mehr Erfolg in die Hand nehmen. Hier begegnen sich ja die Interessen der Forschung, des Handels und der Staatsverwaltung in vielen Punkten und sollten' daher auch ihre Kräfte vereinigen zur Erreichung großer Ziele.

Wenn die deutsche Regierung nicht bald damit beginnt, die Ent­deckungen deutscher Forscher praktisch in irgend einer Weise auszunutzen, weiur die deutsche Kaufmannschaft und die Industriellen Deutschlands nicht mehr Theilnahme, und zwar werkthätige Theilnahme, der deutschen Forschung zuzuwenden und deren Erfolgen mehr Aufmerksamkeit als seither zu widmen sich entschließen, wenn endlich die deutsche Forschung selbst in Zukunft nicht mehr Interesse zeigt, praktische Erfolge zu erzielen, so werden wir auch noch fortfahren, Opfer an Capital und werthvollen Menschen­leben zum Besten anderer Nationen, die uns das wenig Dank wissen, zu bringen, wie mir es leider seither gethan haben.

Lagos, den 20. April 1863.

Ed. Robert Flegel.

Zweiter Brief.

Ich fühle das Bedürfniß, mit dem deutscheil Volke in engere, be­stimmte Verbindung zu treten, da meine Interessen in der Förderung der Wohlfahrt desselben gipfeln und diese Interessen nur gedeihen können bei kräftiger, opferwilliger Unterstützung von Seiten der Nation und der Regierung.

Meine Mission fasse ich mit Vorliebe so auf, daß ich mich als einen Abgesandten der Nation, einen Diener des Reiches betrachte, und mit Aus­nahme der Unterstützung, die ich vom Enratorium der Karl Ritter-Stiftung erhalten -- worauf ich freilich besonders stolz bin, kommt diese in der That auch vom deutschen Volke durch dessen Geschäftsträger, die Regierung. Daher fühle ich mich verpflichtet, seinen Bedürfnissen Rechnung zu tragen und stets aufmerksam zu sein aus den praktischeil Werth der von mir be­reisten Gebiete für Handel, Plantagenbau, Eolonisation lind alle sonstigen Interessen meiner Landsleute, selbst die Wahl der zu be­reisenden Gebiete eben so sehr von diesen abhängig zu machen, als von wissenschaftlichen Rücksichten. Es ist das, glaube ich, die Pflicht jedes eigentlichen Forsckmngsreisendeip d. h. eines Reisenden, der nicht aus-