Französisch-Indo-China.
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8. Mai 1878 erhielt die Pondichöry-Eisenbahn-Gesellschaft von der Kolonie Französisch-lndien auf 99 Jahre das Recht zum Bau und Betriebe der Bahn auf französischem Gebiete unter Gewährung einer Kapitalbeihilfe von 1264375 Fr., gegen die Verpflichtung, der Kolonie die Hälfte des Reinertrages der Bahn zu überlassen. Der Bau kostete 1504000 Fr. oder rund 120000 Fr./km. Die Gesellschaft verpachtete in der Folge den Betrieb ihrer Strecke an die South Indian Railway Company, welche die anschließende indische Linie betreibt. Im Jahre 1907 betrug die kilometrische Roheinnahme 8755 Fr., die Betriebs- ausgabc 4623 Fr., der Überschuß also 4132 Fr. Der Gewinnanteil der Kolonie aus dem Ertrage der Bahn ist auch neuerdings unbeträchtlich geblieben.
2. Die gleichfalls 1 m-spurige Bahn von Karikal nach Pöralam, 23 km, wurde von der französischen Kolonie im Jahre 1896 von vornherein der South Indian Railway Company übertragen. Der Betrieb, den die Gesellschaft ebenfalls übernahm, wurde am 14. März 1898 eröffnet. Der Bau hatte 1308920 Fr. gekostet, also rund 56000 Fr./km. Die Kolonie hat vom Reinerträge der Bahn erhalten:
1905 : 8067 Rup. (- 1,67 Fr.) 1907 : 7825 Rup.
1906 : 6908 1908: 14370 „
Französisch-Indo-China.
Die französischen Besitzungen von Indo-China, im Norden von den chinesischen Provinzen Yunnan, Kwangtun und Kwangsi, westlich begrenzt von Birmania und Siam, erstrecken sich über den ganzen östlichen Teil der Halbinsel. Zuerst wurden die südlichen Gebiete von Saigon, Bicnhoa und Mytho (Cochinchina) im Jahre 1862 vom Kaiser von Anam erworben; 1863 trat Cambodga, 1873 Tonkin hinzu, das aber erst 1885 nach einem schwierigen Feldzuge endgültig französisch wurde; 1884 wurde Anam unter französische Oberhoheit gestellt.
Seit 1887 ist Indochina einem Gcneralgouverneur mit dem Sitz in Hanoi unterstellt; seit 1898 hat es sein selbständiges Budget, seine finanzielle Lage ist dank der Alkohol- und Opiumregie im allgemeinen durchaus befriedigend.
Der Bahnbau wurde im wesentlichen von der Kolonie selbst unternommen und bezweckte zunächst die Schaffung eines Bahnnetzes in Tonkin. das von Hanoi ausgehend nordwestlich bis Laokay und weiter in chinesischem Gebiet bis Yunnansen, nordöstlich nach Langson und bis zur Grenze von Kwangsi, östlich nach dem Hafen Haifong, südlich nach Namdinh und Vinh sich erstreckte; ferner von Saigon aus südlich nach Mytho, nordöstlich nach Khanhoa; endlich in Anam von Hue aus östlich nach dem Hafenort Turan, westlich nach Kwangtri. Dabei ist in Aussicht genommen, die Linien von Cochinchina, Anam und Tonkin dereinst mittels einer durchgehenden Küstenbahn miteinander in Zusammenhang zu bringen.
Baltzer, Kolonialbahnen. 18