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270 Die nicht deutschen Kolonialbahnen in Afrika.
2. Tripolis.
In dem neu erworbenen Lande schritt die italienische Heeresverwaltung sofort zum Bahnbau, um sich das unterworfene Gebiet strategisch zu sichern.
Nach der Besetzung von Tripolis, Ende 1911, wurde alsbald der Bau einer Bahn von Stadt Tripolis nach dem 12 km südlich davon gelegenen Ain Zara zur Sicherstellung der Verpflegung und des Nachschubs für die Truppen begonnen. Statt der anfangs geplanten Schmalspur von 75 cm kam, wie in Erithrea, die Spurweite von 95 cm zur Ausführung, für die von den Nebenbahnen Siziliens Oberbau und Fahrzeuge aus den dortigen Beständen vorhanden waren. Zur Landung des Kriegsmaterials wurden in Tripolis drei Landungsbrücken, eine aus Holz, zwei aus Eisen, mit Gleisanschluß zum Anlegen für Leichterschiffe hergestellt. Die Bahn wurde am 17. März 1912, zwei Monate nach Landung der Arbeiter, vollendet.
Eine von dieser Südlinie abzweigende Verbindung nach Westen schließt am Marabutto, wo der Hauptbahnhof für die Stadt Tripolis vorgesehen ist, an die Westlinie an, die mit 9 km Länge nach den Steinbrüchen von Gargaresch führt; sie wurde am 20. April 1912 fertiggestellt. Von dieser Westlinie aus ist eine die Mauern der Altstadt nördlich bis zum Hafenort umziehende Linie hergestellt, von der eine Abzweigung bei Baldari nach dem Truppenlager führt. Weitere Strecken nach dem Fort Tagiura, 15 km, und von Bivio Fornaci ausgehend, 8 km, wurden gebaut, und eine Abzweigung nach Osten wird geplant. Besondere Schwierigkeiten im Bau und Betrieb verursacht die Durchfahrung der dortigen Wanderdünen.
Am 12. Februar 1913 wurde die Strecke Gheran—Zanzur—Suani BeniAdcm — Azizia, ein Teil der großen geplanten Linie von Tripolis nach dem Gariangebirge, durch den Gouverneur General Ragni eingeweiht. Der Bau von Suani bis Azizia, 23 km, wurde in 19 Tagen von den italienischen Pionieren vollendet. Die Bahn soll nach dem Hauptortc Kars weitergeführt werden. In Azizia werden große Lagerhäuser für Kriegsmaterial und Vorräte errichtet.
Die Betriebslänge der Eisenbahnen in Tripolis betrug am 1. Mai 1913 rund 85 km. Die Bahnschwellen sind aus Holz, die Schienen, Lokomotiven und Personenwagen deutschen Ursprungs. An Fahrzeugen sind vorhanden: 11 Lokomotiven, 4 Personenwagen, 2 Gepäckwagen, 54 bedeckte und 20 offene Güterwagen, 22 Wasserwagen.
Die Bahnen, die anfangs fast ausschließlich den militärischen Zwecken dienten, wurden am 1. Mai 1913 dem allgemeinen öffentlichen Verkehr freigegeben und gingen gleichzeitig aus dem Militärbetrieb in die Hand der italienischen Eisenbahnverwaltung (Generaldirektion der italienischen Staatsbahnen) über. Das Betriebsburcau in Tripolis ist einem Oberingcnieur unterstellt, dem die Betriebsleitung der Bahnen obliegt.
Die Beförderung beschränkt sich zurzeit auf Reisende, Gepäck, Hunde und andere kleine Tiere, Zweiräder, Motorräder und Fracht-