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Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas / von F. Baltzer
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Beirabahn.

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setzen. Beide Bahnen sind daher für die benachbarten britischen Kolonien seit längerer Zeit der Gegenstand eifriger Wünsche nach Erwerbung oder Verschmelzung.

1. Die Beirabahn.

Im Jahre 1891 verpflichtete sich Portugal England gegenüber durch einen Vertrag, eine Eisenbahn von Beira nach einem Punkte an der Grenze von Maschonaland zu bauen, und übertrug diese Verpflichtung an die Companhia da Mozambique. Diese übernahm es in Ar­tikel 30 ihrer Konzession, binnen längstens vier Jahren, ohne staatliche Beihilfe oder Zinsbürgschaft, eine Bahn von Beira nach der Grenze des Manirabezirks herzustellen. Die Mosambik-Gesellschaft übertrug ihre Verpflichtung weiter an die Beira-Eisenbahn-Gesellschaft, eine Gründung der Südafrikanischen Charter-Gesellschaft in Rhodesia. Die Beira-Eisenbahn-Gesellschaft begann den Bahnbau, aber nicht in Beira selbst, sondern 56 km westlich hiervon, in Eontesvilla oder Ponto do Pungwe, da man den für Dampfer schiffbaren Pungwefluß von Beira aus bis dahin für den Verkehr benutzen wollte. Die Gesellschaft machte ferner den, wie sich bald zeigte, verhängnisvollen Fehler, für die Bahn von Fontesvilla bis zur Grenze eine Spurweite von 65 cm anzuwenden. Dezember 1898 war der Bahnbau bis zur Grenzstation Menini (östlich Umtali) beendet. Im Juli 1895 hatte man eine Tochter­gesellschaft, die Beira-Junction Company, gegründet, zum Zwecke der Herstellung einer Eisenbahn von Beira bis Fontesvilla, 56 km, gegen Übertragung von Landbesitz und Gewährung anderer Vorteile. Diesen Abschnitt stellte die Beira-Anschlußbahn-Gesellschaft in Kap- spur 1 1,067 m) bis zum 29. Oktober 1896 fertig und übernahm auch den Betrieb der ganzen Eisenbahnverbindung bis Umtali. Nachdem die im Jahre 1897 gegründete Maschonaland-Eisenbahn-Gcsellschafy ebenfalls eine Schöpfung der Charter-Gesellschaft unter Führung von Cecil Rhodos, den Bahnbau von Umtali aus auf rhodesischem Gebiet gleichfalls in Kapspur in nordwestlicher Richtung bis Salisbury fort- gefuhrt hatte, ergab sich damit für die Beirabahn der Mißstand, daß der rund 283 km lange Abschnitt von Fontesvilla bis zur rhodesi- srhen Grenze (Menini) mit 65 cm Spurweite beiderseits an Bahnen mit Kapspur angrenzte. Der durchgehende Verkehr wäre also mit einem zweimaligen Umladen belastet worden. Es blieb schließlich nur übrig, die unzulängliche Spurweite zu beseitigen und den Umbau in Kap­spur durchzuführen. Dies geschah mit großer Beschleunigung, so daß man am 1. August 1900 den einheitlichen Kapspur-Betrieb auf der um- gebauten Linie BeiraMenini, 339 km, aufnehmen konnte. Die Maschonaland-Eisenbahn-Gesellschaft übernahm nunmehr den Betrieb auf der 595 km langen Strecke BeiraSalisbury, welche seitdem als kürzeste und wichtigste Zu- und Abfuhrlinie des gesamten Rhodesiens und des nördlichen Betschuanalandes von und nach der Küste des Indischen Ozeans große Bedeutung erlangt hat.

Der Bau der Strecke Fontesvilla -Menini (rd. 283 km) in 65 cm- Spur hatte zunächst 15611000 d. s. 55000 Mj km gekostet. Der Um-