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Die nicht deutschen Kolonialbahnen in Afrika.
folgedessen ist die Aussicht, Handelsmittelpunkt der Zukunft zu werden, an Kinshasa übergegangen. Die großen Handelsunternehmungen daselbst sind die Societe Commerciale Beige-Allemande du Congo, die Compagnie Commerciale et Agricole d'Alimentation du Bas Congo (abgekürzt A. B. C.) und die Societe commerciale et financiere Africaine (Comfina). In Kinshasa bestehen auch große Werftanlagen und Dampfergesellschaften.
Neuerdings ist der Plan erwogen, die Kongowasserstraße zwischen Matadi und Leopoldville durch Anlage eines Umgehungskanals mit den erforderlichen Schleusen auszubauen und dadurch die Bahn zu entlasten. Dieser Ausbau, zu dem allgemeine Vorarbeiten gemacht sind, würde voraussichtlich 4 Mill. £ = 80,8 Mill. erfordern.
Zur Erweiterung der Hafenanlagen in Matacli, insbesondere zur Verlängerung der unzureichend gewordenen Landebrücken, zur Verbreiterung der dortigen Kaianlagen, zur Erweiterung des Bahnhofs von Matadi u. dgl. hat die Bahn-Gesellschaft 1913 eine Anleihe in Höhe von 15 Mill. Fr. (30000 Stück zu je 500 Fr.) aufgenommen, die bis 1997 ('mit 525 Fr. das Stück) eingelöst werden sollen.
Am oberen Ende der Kongobahn erweitert sich der mächtige Strom zu dem seenartigen Stanley-Pool, und hier beginnt die 1600 km lange Wasserstraße des Kongobogens, die bis zu den Stanleyfällen reicht und seit 1893 mit Dampfschiffen befahren wird; es verkehren dort zahlreiche Motorboote, Schleppdampfer und Dampfschiffe bis zu 500 t Tragfähigkeit.
2. Stanleyvillo—Ponthierville.
Die zweite Umgehungsbahn wurde von der 1902 gegründeten „Compagnie des chemins de fer du Congo superieur aux grands lacs africains" (Oberkongobahn-Gesellschaft.i mit der 1 m-Spur, von 1903 bis 1906 erbaut und, 127 km lang, am 1. September 1906 eröffnet. Die Konzession vom 4. Januar 1902 ist auf 99 Jahre erteilt unter Bewilligung von 4 Mill. ha an Land und Wald. Auf das Kapital von 25 Mill. Fr. übernahm die Regierung eine Bürgschaft von 4 v. H. für Verzinsung und Tilgung innerhalb 99 Jahren.
Der Staat machte die Vorarbeiten, baute die Bahn und übernahm den Betrieb für Rechnung der Gesellschaft.
Das Schienengewicht beträgt 24,4 kg/m, die Schicnenlänge 7 m. Durch diese Bahn wurde die Schiffahrt auf dem Strom zunächst auf 260 km von Ponthierville bis Lumbulumbu erschlossen. Die Bahn selbst bildet eine von Nord nach Süd gerichtete Sehne des östlich der Bahn verlaufenden Strombogens. Der Umschlaghafen bei Stanleyvillc liegt auf +428 m, der bei Ponthierville auf -;-470m; dazwischen erreicht die Balm mit größten Steigungen von 1:50 ihren höchsten Punkt auf -|-538m; der Halbmesser der schärfsten Bahnkrümmungen beträgt 100 m. Die Bahn hat keine Zwischenstationen von Bedeutung. Die kilometrischen Baukosten werden auf 52000 bis 64000 M angegeben.
Die stromaufwärts anschließende Wasserstraße Ponthierville— Kind u, 320 km, deren Betrieb der Gesellschaft der Oberkongobahnen durch