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Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas / von F. Baltzer
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Madagaskar.

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anderen Ländern Europas und Südamerikas, die mehr oder weniger beteiligt sind, übernommen werden. Die Reise zwischen London und Kapstadt soll um 56 Tage verkürzt, die Überfahrt zwischen Europa und Südamerika von 25 auf 5 Tage eingeschränkt werden, davon 3 auf die Seereise DakarPernambuko entfallend, wo cs im Atlantischen Ozean weder Nebel noch Eisberge gibt. - -

Madagaskar und Reunion.

Die französischen Inseln Madagaskar und Reunion, beide im Indischen Ozean östlich von Afrika gelegen, haben sich verhältnis­mäßig frühzeitig den Vorteil der Erschließung durch Eisenbahnen zunutze gemacht.

Madagaskar.

Die Insel Madagaskar, mit über 590000 qkm größer als Deutsch­land, aber mit nur 2700000 Einwohnern, also außerordentlich schwach bevölkert, wurde am 6. August 1896 zur französischen Kolonie erklärt und einem Generalgouverneur unterstellt. Von besonderer Bedeu­tung für das Land ist der Reisanbau; im Jahre 1908 zählte man 350000 ha, die mit Reis bebaut waren, und die Reisernte betrug 700000 t. Die Ilauptausfuhrhäfen des Landes sind bis jetzt Majunga an der Nordwest-, Mananjary und Tamatave an der Ostkiiste.

Als das Land von Frankreich erobert wurde, wurden Güter und Personen nur durch den Trägerdienst der eingeborenen Burjanen befördert: die Tonne kostete zwischen Tananarivo und der Ostküste 1000 Fr., das sind etwa 3 Fr. für das tkm; für die Beförderung einer Person mit 300 kg Gepäck wurden 420 Fr. bezahlt. Zum Ersatz dieses kostspieligen Trägerverkehrs, zur Erschließung des Landes, vor allem zur Verbindung der verhältnismäßig am stärksten bevölkerten Hoch­ebene von Imerina und der 1330 m über dem Meer gelegenen Haupt­stadt des Landes Tananarivo mit der Ostküste drängte sichtlas Hilfs­mittel des Bahnbaus geradezu auf. Schon binnen Jahresfrist nach Erwerbung des Landes erboten sich Gesellschaften und Privatleute zu Vorarbeiten und zum Bau von Eisenbahnen, wobei sie allerdings hohe Forderungen an die Regierung stellten und staatliche Zins­bürgschaft verlangten. Es handelte sich vor allem um die Ver­bindung des wichtigen, verkehrsreichen Hafens Tamatave an der Ost­küste mit der etwa 400 km entfernten hochgelegenen Landeshauptstadt durch eine Eisenbahn. Tamatave hat zurzeit einen Aus- und Eingang von über je 340 Schiffen mit je 223- 224000 t Gesamtgehalt im Gesamt­wert von rund 29 Mill. Fr. Nach längeren Verhandlungen wurde be­schlossen. daß die Kolonie selbst, mit Hilfe einer vom französischen Staat zu gewährleistenden Anleihe, den Bau in die Hand nehmen und im Eigenbetriebe durch die Offiziere des Ingenieurkorps ausführen lassen sollte. Durch Gesetz vom 14. April 1900 wurde die Aufnahme einer Anleihe von 60 Mill. Fr. zu 4 v. II., unter Bürgschaft des französi-

Italt zer, Kolonialbahncn.