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Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas / von F. Baltzer
Entstehung
Seite
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Knandabahn.

3. Die Kuandabahn.

Einen besonders wertvollen Verkehrszubringer erhalt die Tan­ganjikabahn durch die 1914 bewilligte Ruandabahn: Die

Landschaften im Nordwesten des Schutzgebietes. Ruanda, 28000 qkm mit über 2 Millionen, und Urundi, 29000 qkm mit i 1 /., Millionen Menschen, haben die für Afrika bemerkenswert holie Bevölkerungsziffer von 72 und 52 Köpfen auf das Quadrat­kilometer. Diese Gebiete sind wegen ihres Menschen- und Vieh- reichtums und wegen der natürlichen Vorzüge des Landes zu einer bedeutenden wirtschaftlichen Entwicklung berufen. Dank der günstigen Boden- und Klimaverhältnisse ist der Ackerbau überall gut entwickelt. Bei einem guten Anschluß an den Weltverkehr werden diese Länder imstande sein, große wirtschaftliche Werte zu liefern. Mit Vollendung der Tanganjikabahn rückt eine Bahn nach Ruanda in den Bereich der Ausführbarkeit. Die Vorarbeiten für eine Eisenbahn wurden 1913 begonnen und ergaben, daß die natürlichen Reichtümer dieser Länder eine befriedigende Renta­bilität der zu erbauenden Bahnstrecken erwarten lassen; allein die mit Schaffung des neuen Verkehrsweges einzuführenden Steuer­leistungen der starken Bevölkerung stellen die Finanzierung der Bahn sicher. Die Voraussetzungen für den Bahnbau liegen also hier denkbar günstig: die zu erschließenden Gebiete bringen die Mittel für Verzinsung und Tilgung der Bahnanleihe selbst auf.

Hauptausfuhrgegenstände sind zurzeit Häute und Felle; der Handel ist in den letzten Jahren stark gestiegen, die Zollstatistik von Bukoba zeigt z. B.:

im Jahre 1908: 229000 kg im Werte von 202000 M,

im Jahre 1912: 1 119 615 kg im Werte von 1 756 033 Ji.

Die Wahutu, die Bewohner von Ruanda, sind vortreffliche Ackerbauer; Bananen, Hirse, Süßkartoffeln, Sorghum (Mtama), Bohnen, Erbsen, Mais, Erdnüsse werden angebaut. Die Zwischen­seengebiete sind auch für Reis- und Tabakbau, das Kageragebiet für Baumwollbau, der Bukoba- und L T sumburabezirk für Kaffeebau geeignet. Die Arbeiterverhältnisse sind bei der dichten Bevölkerung sehr günstig.

Von besonderem Wert für die Erschließung ist der Kagera­strom mit seinen Nebenflüssen, der auf weiten Strecken die Einrichtung einer Flußschiffahrt im Anschluß an die Bahn er­möglicht. Die natürliche Sammelstelle dieses Wasserverkehrs liegt am sog. Kageraknie beim Zusammenfluß des Ruwuwu