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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
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und weiter nach der Küste zu durch eine andere Form (L. leucomelas) ersetzt wird. Es scheint mir demnach sehr wahrscheinlich, dass für die Vogelfauna die Wasser­scheide zwischen den Küstenflüssen und den zum Ngami ziehenden Gewässern eine grosse Bedeutung hat. Man wird im Nordosten alle die im Kaokofelde, im süd­lichen Damara- und im Nama-Lande noch vorhandenen Kap-Formen vermissen und solchen Arten begegnen, die auch im südwestlichen Teile von Deutsch-Ostafrika leben. An der Küste findet man eine Anzahl ant­arktischer Seevögel zu gewissen Zeiten, wie z. B. die südliche Schmarotzermöwe ( Lcstris antarctica), auch den Pinguin ( Sphmiscus ), der hier seine Nordgrenze hat. Die Trappen und Hühnervögel sind denen von Ostafrika ähnlich, sehen aber hier etwas anders aus. Der Strauss des Damara- und Nama-Landes ( Struthio australis ) hat einen grauen Hals und ist von dem ostafrikanischen als Abart getrennt worden. Auch die Flughühner ( Pte- rocles), welche mit vielem Geschrei in grossen Schwärmen des Morgens zu den Wasserplätzen ziehen, sind, wie in Ostafrika, in vier Arten vertreten, deren jede jedoch von der entsprechenden ostafrikanischen sich etwas unterscheidet. Der graue Lärmkukuk ( Schi - sorhis concolor) des Nosob-Gebietes ist für den Jäger sehr lästig, weil er die Spornhühner ( Ptemistes ) und P'rankol ine durch seinen lauten, schnarrenden Ruf warnt. Höchst eigentümlich ist der Siedelweber (. Philethaerus socius), welcher in grossen Kolonien unter einem ge­meinsamen, einem runden Spitzdache gleichenden Bau seine Nester anbringt. Das Vogelleben an der Küste ist ungemein reich und hier sieht man zu gewissen Zeiten Albatrosse, Pelikane, Flamingos, Möwen und Enten, Kapgänse ( Sula ) und Kormorane in gewaltigen Scharen.

Ueber die Kriechtiere, P'ische und niedere Tiere von Deutsch-Südwestafrika kann ich nur wenig berichten; die Küstenfauna zeigt gegenüber der­jenigen des Kaplandes und von Ostafrika mancherlei Abweichungen; im allgemeinen sind aber dieselben Gattungen wie in Ostafrika vertreten bis auf einige dem Süden eigentümliche Formen.

Von den Haustieren, welche in Deutsch-Siid- westafrika gehalten werden, spielen die Rinder eine grosse Rolle, deren Felle einen bedeutenden Export­artikel darstellen. Die Herero-Rinder sind grosshörnig, hochbeinig; bei den Ovambos ist eine kleine kurz­beinige und kurzhörnige Rasse zu finden. Pferde scheinen sich schlecht zu halten, da ein grosser Teil in jedem Jahre an der sogenannten »Paarde Ziekte« zu Grunde geht. Schaf- und Ziegenzucht ist bei den Hereros sehr im Schwünge und jährlich werden viele Tausend P'elle exportiert. Auch Wollschafe und Angora­ziegen halten sich gut in den südlichen Teilen des Gebietes.

C. Deutsch-Westafrika.

Kamerun und Togo haben, abgesehen von einigen wenig umfangreichen Gebieten des Hinterlandes, eine Tierwelt, welche sich in vielen Beziehungen von derjenigen unterscheidet, die wir in Ost- und Südwest­afrika fanden. Nur im äussersten Nordwesten von Deutsch-Ostafrika, in Siid-Mpororo und West-Ruhanda, ist eine ähnliche Zusammensetzung der Fauna zu er­warten. Zahlreiche Gattungen, welchen wir im Osten und Süden begegnet sind, fehlen im Westen und wiederum eine ganze Reihe von eigentümlichen Formen, die in Ostafrika fehlen, sind nur in Westafrika zu Hause. Die westafrikanische Waldfauna reicht in Kamerun und in Togo sicher bis dahin, wo die Küstenflüsse ihre Quellen haben. Hier fehlt z. B. die Hyäne, der Schakal, der Gepard, das Zebra, das Rhinoceros, das Warzenschwein, die Giraffe, das Gnu, das Erdferkel, der Klippschliefer, der Löwe, der Hase und Igel. Von Vögeln sind die Geier und der Strauss nicht vertreten. Dafür haben wir den Graupapagei, den Bananenfresser, den Schimpanse, die Weissnasen-Meerkatze, den Potto, das Quastenstachelschwein, die Kletterschuppentiere, die grossen Schopfantilopen und Sumpf bocke, das Hirschferkel, die kurzschwänzigen Paviane, die Lang- zungen-FIederhunde und andere eigentümliche Formen. Die Tierwelt von Togo und Kamerun können wir in einem Abschnitte abhandeln, da beide Gebiete in ihrer Fauna miteinander grosse Aehnlichkeit haben. In Kamerun werden wahrscheinlich nur die Gegend von Ngaundere und die zwischen Garua und dem Tshad- see gelegenen Gegenden in dem nordöstlichsten Teile des Gebietes eine von derjenigen des übrigen Landes auffallend abweichende Tierwelt aufweisen, weil dort die Wasserscheide gegen den Ocean überschritten ist und, sobald man das Flussgebiet des Logone betritt, die dem Tshadsee-Becken eigentümliche Fauna in die Erscheinung treten dürfte. Nach den wenigen Beob­achtungen, welche wir aus dem Logone-Schari-Gebiet besitzen, ist die dortige Tierwelt in mancher Beziehung sehr nahe verwandt mit derjenigen, welche die nördlich und östlich von Nyansa gelegenen Steppen haben. So kenne ich u. a. den dunklen Pavian, welchen Oscar Neumann auf der Ostseite des Nyansa in Kavirondo fand, auch vom Schari-Gebiet. Jedenfalls gehört das Logone- Gebiet nicht mehr zur westlichen Waldregion, und hier wird wahrscheinlich die einzige Gegend von Kamerun sein, wo es Hyänen, Löwen und Nashörner giebt.

Togo gehört in seiner heutigen Ausdehnung ganz zum westafrikanischen Gebiet, wiewohl schon bei Bis­marckburg Tierformen auftreten, welche dem Nordosten und Nordwesten von Afrika eigentümlich sind, wodurch die Vermutung gerechtfertigt ist, dass unweit von Bismarckburg die Nordgrenze des westafrikanischen Gebietes verläuft. Da nun die Wasserscheiden er-

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