Druckschrift 
Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
Entstehung
Seite
221
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Wangenbeine angelegt. Nasenwurzel breit, massig hoch; Rücken etwas konkav; Septum und Flügel dick; Löcher gross, rundlich. Lippen dick, Unterlippe sehr voll. Zwischen den mittleren Schneidezähnen oben und unten eine breite, anscheinend natürliche Lücke. Das Gebiss sonst völlig intakt. Weisheitszähne schon stark facettiert, als ob sie mindestens mehrere Jahre schon in wirklicher Verwendung ständen. Ohren gross, sonst wohl geformt, Läppchen ganz frei. Hände und Finger breit; Nägel enorm kurz und breit, keine Lunula.

Sehr gewandter Ruderer.

No. 93. Bernhard Epassi, $ , angeblich 15 Jahre, Kribi; (vergl. die Photographie auf Tafel VII b.) nicht ausgewachsen, Ernährung sehr gut. Haut rötlich-braun, an manchen Stellen ausgesprochen 3, an anderen gegen 5, ohne dass irgend eine Regelmässigkeit oder Symmetrie dabei zu beobachten wäre. Iris sehr dunkel, fast schwarz, Sklera rein weiss, Conjunctiva farblos. Augen leicht mandelförmig, gerade, meist sehr weit geöffnet. Haare schwarz, sehr kraus, fast durchweg spiralig, mässig hart. Wimperhaare intakt.

Kopf im ganzen eher gross, lang, mässig breit, sehr hoch. Hinterkopf wenig gewölbt. Gesicht niedrig, breit, prognath. Stirne sehr hoch, gerade, breit, etwas kielförmig, gewölbt. Wangenbeine angelegt. Nasen­wurzel breit, flach; Rücken gerade; Septum kurz, dick, nach innen rasch verbreitert; Flügel vorne sehr dünn, seitlich dick; Löcher fast rundlich, etwas quer. Lippen voll, Oberlippe sehr dick. Zähne ganz intakt; die zweiten Molares noch nicht merkbar facettiert. Ohren sehr breit, ohne Läppchen, Hände breit, kurz, Finger verhältnismässig lang; Nägel enorm breit und kurz, Lunulae.

AusgezeichneterRuderer; netter, freundlicherBursche mit offenem Wesen.

No. 94. Boi'mbu, , um 20 Jahre, Kribi; an­scheinend ausgewachsen, sehr kräftig, mässig genährt. Haut rötlich-braun, Backengegend viel heller, fast an olivengelb herankommend. Am linken Vorderarme eine quergestellte -v förmige blaue Tätowierung von 41 mm Länge, von dem Manne selbst als Gabel, »fork«, erklärt. Iris sehr dunkel, Sklera gelb, Conjunctiva schmutzig verfärbt. Augen leicht mandelförmig, etwas schräg. Haar braunschwarz, weich, sehr lang, kraus mit einzelnen Spiralen. Cilien abgeschnitten.

Kopf assymetrisch, wohl bei der Geburt verdrückt, eher gross, kurz, sehr breit, mässig hoch, Hinterhaupt fast flach. Gesicht sehr niedrig, sehr breit, fast fünf­eckig. Stirne sehr hoch, schräg, sehr breit, sehr stark kielförmig mit ganz schildartig vorspringender Mitte, wenig gewölbt. Wangenbeine etwas vortretend. Nasen­wurzel breit, flach; Rücken etwas konvex; Septum breit, gerade; Flügel dünn; Löcher sehr breit, gross. Lippen nicht sehr dick, voll. Zähne sehr klein; die dritten Molaren leicht facettiert; rechts oben fehlt ein

Praemolar; Gebiss sonst intakt. Ohren klein, breit, abstehend; Läppchen sehr klein, frei, durchbohrt. Hände klein, breit. Beiderseits der dritte, vierte und fünfte Finger im proximalen Interphalangeal-Gelenk etwas kontrahiert, nicht ganz zu strecken. Nägel lang und schmal, keine Lunula.

Sieht meist etwas mürrisch aus; vorzüglicher Ruderer. Dass sein Kopf assymetrisch und verdrückt ist, muss um so mehr bedauert werden, als der Mann in seinem ganzen Habitus manches hat, das an eine (viel­leicht recht recente) Beimischung malayischen Blutes denken lässt.

No. 95. Bofnga, <$ , um 16 Jahre; (vergl. die Photographie auf Tafel VII a.) wohl nicht ganz aus­gewachsen, gut genährt. Haut fast kupferfarbig, nur das Gesicht dunkel rötlich-braun. Stirn, Nase und Backen ganz mit kleinen Narben, wahrscheinlich von Come- donen, bedeckt. Ueber der Nasenwurzel ein kleiner Querstrich in blauer Tätowierung. Iris sehr dunkel, Sklera fast weiss. Augen etwas mandelförmig, gerade. Haar braunschwarz, kraus, nur wenig unvollkommene Spiralen, recht weich.

Kopf lang, schmal, hoch; Hinterhaupt stark gewölbt. Gesicht schmal, dreieckig, prognath. Stirn hoch, schräg, mässig breit, fast voll, flach. Wangenbeine anliegend. Nasenwurzel nicht sehr breit, eher hoch; Rücken fast gerade; Septum sehr kurz und breit, in der Mitte sand­uhrförmig eingezogen; Flügel dick ; Löcher fast rund­lich, etwas quer. Lippen dick, voll. Zähne etwas schräg, gross, stark abgeschliffen, auch die Weisheits­zähne, besonders die oberen, sehr stark facettiert. Ohren etwas abstehend, Läppchen gross, breit, frei. Hände klein, breit. Nägel lang, gewölbt, hell; Lunulae.

(Siehe die hierzu gehörige umstehende Tabelle.)

C.

Südwest-Afrika.

Nur neun Individuen konnten zu dieser Gruppe vereinigt werden, vier Hottentotten und fünf Herero. Unter den ersteren befinden sich zwei Männer, die als überaus typische, geradezu als ideale Vertreter ihres Stammes gelten können, während das von den beiden Frauen, die mit ihnen gekommen waren, kaum sagen lässt; von diesen hat die eine fremdes Blut und sieht ganz europäisch aus, die andere aber ist ein rachitischer Zwerg und auch geistig zurückgeblieben.

Hingegen können die fünf Herero wiederum ganz sicher als sehr typisch betrachtet werden. Ich möchte allerdings bezweifeln, dass alle Herero einen so durch­aus vornehmen Eindruck machen und so vollendet gentleman-like auftreten, wie die, welche wir in Treptow gesehen haben; auch sind nicht alle so gross, stattlich