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I. Teil
Physische Anthropologie.
esondcrs bei diesem ersten Teile des Berichtes scheint es durch die Sachlage geradezu geboten, über eine reine Berichterstattung nirgends hinauszugehen. Muss auch an und für sich ein Material von über hundert Schwarzen sicher ein sehr ansehnliches und zu weitgehenden Schlüssen berechtigendes genannt werden, so sinkt doch dessen Wert sehr wesentlich dadurch, dass es so vielen und weit voneinander getrennten einzelnen geographischen Provinzen entstammt und deshalb sofort in lauter Einzelgruppen zerfällt. Diese sind aber zu klein, um als solche schon zu weitgehenden Schlüssen zu berechtigen. Ich gebe also im Folgenden die Beschreibungen, Messungen und Abbildungen so, wie ich sie habe, und überlasse es Späteren, sie im Zusammenhänge mit älteren und künftigen Untersuchungen zu verarbeiten. Einzelne Erscheinungen freilich sind so in die Augen fallend und treten so auf den ersten Blick hervor, dass es ganz unmöglich ist, sie zu übersehen. Es wird schon ein flüchtiges Studium meiner Tabellen und Abbildungen hinreichen, um die Kluft erkennen zu lassen, welche die Massai von den eigentlichen Negern trennt. Ebenso sind die Unterschiede zwischen unseren Melanesiern und den Afrikanern so gross und so ganz unverkennbar, dass es schwer zu begreifen ist, wie es eine Zeit geben konnte, in der Melanesier und Neger zusammengeworfen werden konnten.
Aber ich werde es im Folgenden grundsätzlich vermeiden, diese und andere Unterschiede weiter zu verfolgen, und mich, wie oben schon ausgeführt, auf einen rein objektiven Bericht beschränken; ich hege dabei die Hoffnung, dass ein solcher Bericht in mehr als einem unserer Schutzgebiete anregend wirken und Untersuchungen veranlassen wird, die ihm direkt angegliedert werden können. Erst dann werden wir im Laufe der Jahre in die Lage kommen, die Anthropologie
Kamerun-Negerin mit Narben-Tätowierung.
unserer Schutzgebiete wirklich zu verstehen und abschliessend behandeln zu können.
Inzwischen teile ich hier das Schema mit, das ich zur Sammlung des Materials benutzt habe; es ist dasselbe, das ich — mit geringen und kurzen Unterbrechungen — seit nahezu 20 Jahren anwende. Es geht mehrfach aus der Anordnung der Maasse, sowie besonders aus der Art, wie ich die obere Extremität messe, hervor, dass ich mich dabei ausschliesslich dos französischen Instrumentariums bediene, wie es ursprünglich von Broca und Topinard ersonnen ist und gegenwärtig von Co Hin in Paris in völlig tadelloser Art hergestellt wird. Neuestens hat Dr. Fülleborn ein ähnliches Instrumentarium hier in Berlin herstellen lassen; es ist mir aber nicht bekannt, ob dasselbe bereits in den Handel gekommen ist. Sowohl Fülleborn wie ich gehen bei unseren Messungen von dem Grundprinzip aus, dass es weit nützlicher ist, hundert Individuen mit einer I'ehlermöglichkeit von i bis 2 Prozent zu messen, als zehn Inviduen mit Fehlern, die vielleicht nur um I Prozent herum schwanken. Wir müssen unsere Methode also so einrichten, dass sie uns gestattet, eine möglichst grosse Anzahl von Menschen in möglichst kurzer Zeit zu messen, und wir müssen deshalb vor allem darauf Gewicht legen, dass wir unsere Leute nicht ganz zu entkleiden brauchen, um sie zu messen. Die Anzahl der Menschen, die sich völlig nackt vor uns hinstellen und sich eine halbe oder eine ganze Stunde lang von uns betasten, abgreifen, anpinseln und abzirkeln lassen, ist eine verschwindende im Vergleiche zu der grossen Menge von Leuten aus primitiven und mehr oder weniger civilisicrtcn Rassen, die eine Messung über sich ergehen lassen, wenn sic dabei wenigstens einen Teil ihrer Kleider anbehaltcn und sich nicht vor uns und vor ihren Landsleuten ganz zu entblössen brauchen. Speziell in unserem Falle wäre eine Messung am nackten Körper in Treptow so gut wie ausgeschlossen gewesen. Die Messungen mussten
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