VÖLKERKUNDE
Vorwort und Einleitung
'. .. Ed
ElM_
* 9 »'.
it dem Berichte über die Kolonial-Ausstellung in Treptow-Berlin 1896 eine populäre Darstellung der anthropologischen und ethnographischen Verhältnisse in den deutschen Schutzgebieten zu verbinden, war mehrfach als erwünscht bezeichnet worden, und auch an mich war eine solche Aufforderung ergangen. So gern ich einer so ehrenvollen Aufgabe nähergetreten wäre, so war es mir persönlich doch von vornherein klar gewesen, dass unsere gegenwärtigen Kenntnisse noch viel zu lückenhaft und unvollkommen sind, als dass es möglich wäre, die gesamte Völkerkunde unserer Schutzgebiete populär zu behandeln. Denn wie für die Jugend, so ist auch für die breiten Schichten des Volkes das Beste kaum eben noch gut genug, und vieles Unfertige und Unreife kann vor Fachleuten verhandelt und untersucht werden, was dem grossen Publikum darzubieten nutzlos und unrecht wäre.
So musste ich notwendig darauf verzichten, allgemeine anthropologische und ethnographische Berichte über unsere Schutzgebiete zu liefern; solche werden überhaupt erst nach jahrzehntelangen mühevollen Vorarbeiten möglich werden — wenn sie wirklich gut sein sollen —, und Minderwertiges zu bieten, hätte weder den Wünschen der Ausstellungsleitung, noch meinen eigenen entsprochen. Andererseits aber war ich vom ersten Tage an bestrebt gewesen, das reiche Material,
Kopfleiste: Frauen aus Accrii, aus der Ausstellung des
Herrn Schänker-Treptow a. Rega.
das in Treptow angesammelt war, nach mannigfachen Richtungen hin zu studieren und festzuhalten, und so hatte ich am Schlüsse der Ausstellung eine grosse Mappe mit Photographien und Zeichnungen in Händen, von denen viele auch für ein grösseres Publikum interessant schienen, wenn sie auch ursprünglich nur für ganz spezielle, streng wissenschaftliche Zwecke hergestellt worden waren.
Da lag es denn nahe, eine Art von Kompromiss einzugehen und mit einer Veröffentlichung dieser Tafeln sich nicht nur an den engen Kreis der I’achgenossen zu wenden, sondern gleichzeitig auch an die grosse Menge der Kolonialfreunde. Diesen wird besonders in den zwanzig Typen-Tafeln eine dauernde Erinnerung an die interessante Schar von Schwarzen geboten werden, die 1896 in Treptow versammelt war; aber auch in den ethnographischen Tafeln und in dem kurzen Text, der ihnen vorangeht, wird der Laie manches finden, das ihn anregt und fördert. Die anthropologischen Tabellen freilich werden ihn kalt lassen, aber er wird sic leicht mit in den Kauf nehmen können und nicht als allzu lästigen Ballast empfinden; dem Fachmann sind sie unerlässlich, und auch dem Laien wird cs nicht schaden, wenn er einmal näheren Einblick in die Art unserer Arbeit gewinnt und sieht, wie dornenvoll der Weg ist, auf dem wirzu allmählicher Erkenntnis fortzuschrciten bemüht sind.
Dass aber eine so grosse Anzahl von wissenschaftlichen Photographien und Zeichnungen in einer Auf-
203