Ungleich zierlicher als alle diese Hörner- und Hörnchentrachten sind jene Frisuren, bei denen die Togo-Frauen das Haar in lauter radiär von der hinteren Scheitelgegend ausgehende Wülste flechten, so dass der ganze Kopf wie eine Zuckermelone aussieht. Am Scheitel selbst pflegt dann ein nuss- bis apfelgrosses rundliches Haarbüschel zu sitzen, das der übrigen Frisur schönen Abschluss giebt. Leider ist es mir nicht möglich gewesen, brauchbare Photographien solcher Frisuren zu erhalten; eine beiläufige Vorstellung von ihnen erhält man aus der Abbildung S. 27 des allgemeinen Teiles.
Ganz besonderes Interesse verdient die auf Tafel III in der untersten Reihe abgebildete Frau Koukoe. Sie ist von geradezu pygmäenhafter Kleinheit, und man würde sie für ein acht- oder neunjähriges Kind halten müssen, wenn man nicht sonst sehen würde, dass sie völlig entwickelt und ausgewachsen ist. Leider konnte nicht einmal ihre Körperhöhe gemessen werden: eine
schätzungsweise Zahl mitzuteilen, scheue ich mich, aber ich glaube es doch verantworten zu können, wenn ich sage, dass die Frau noch kleiner oder wenigstens nicht wesentlich grösser ist, als die beiden Ituri-Pygmäen, die wir kürzlich in Berlin gesehen. *)
Mit positiver Sicherheit zu erkennen, ob es sich bei ihr um individuellen krankhaften Zwergwuchs handelt, oder um rassen- mässigen Zusammenhang mit wirklichen Pygmäen, ist vorderhand nicht möglich; persönlich nehme ich das letztere an, obwohl ich mir vollkommen klar darüber bin, dass dann das Verbreitungsgebiet der afrikanischen Pygmäen noch um ein gutes Stück weiter nach Norden und Westen auszudehnen sein wird, als dies bisher schon nach den Mitteilungen von Kund**) über die Bojaeli der Fall war. Aber der allgemeine Eindruck sowohl, als auch die Angaben ihrer Landsleute lassen die Annahme eines pathologischen Zwergwuchses bei Frau Koukoe so gut wie ausgeschlossen erscheinen.
Pygmäin vom Sangc- »normalgrosse
*) Vergl. Stuhlmann, Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika, Berlin 1894, S. 436 ff.
**) Vergl. Mitt, a. d. deutschen Schutzgebieten II. 18S9, S. 108 ff.
Ich benutze diesen Anlass, um hier zum ersten Male die Abbildung einer Pygmäen-Frau zu veröffentlichen, die ursprünglich am Sange-Fluss zu Hause war und vor einigen Jahren in den Besitz eines Majombe- Häuptlings und in das Hinterland von Loango gelangte, wo sie von Herrn Robert Visser photographiert werden konnte, dem wir auch sonst für vielfache, wichtige und lehrreiche Mitteilungen und Geschenke verbunden sind. Diese Frau würde aber in die Gruppe der bisher noch so wenig gekannten Bakke-Bakke, Dongo und Obongo gehören; im ganzen Habitus erinnert sie durchaus an Frau Koukoe, die ich schon allein wegen dieser höchst auffälligen Aehnlichkeit aller Formen für eine richtige Pygmäin halten möchte.
(Siehe die hierzu gehörige umstehende Tabelle.)
B.
Kamerun.
Elf Duallaniänner, zweiDualla frauen und vier Batangajungen sind im Folgenden zu einer zusammenhängenden Gruppe vereinigt. Dass von den Batanga kein grösseres Material vorliegt, ist in hohem Grade bedauerlich; es wird eine der schönsten anthropologischen Aufgaben in unseren Schutzgebieten sein, die grossen physischen Unterschiede, die anscheinend zwischen den Dualla und den Batanga bestehen, an grösseren Serien näher zu untersuchen. Das in Treptow vorhanden gewesene Material war zu einer irgend abschliessenden Untersuchung um so weniger geeignet, als mindestens drei von den vier Batanga halbwüchsige Jungen waren. Wegen ihrer geringen Zahl werden sic in den folgenden Tabellen nicht gesondert, sondern zusammen mit den Dualla geführt.
No. 76. Martin (Kuane a Dibobe), cT, uni 20 Jahre, Josstown; (vergl. Photographie auf Tafel Via.) gross, kräftig,gut genährt;dunkel rötlich-braun, Oberarme etwas dunkler als der übrige Körper, Unterlippe etwas rötlich. In der Backengegend beiderseits, aber unsymmetrisch, Schnittnarben. Iris dunkelbraun, Sklera leicht pigmentiert. Augen schwach mandelförmig, etwas enge, fast gerade. Haar glänzend braunschwarz, fast ganz in kleine enge Spiralen geordnet. Spuren von Bart.
Fluss; neben ihr eine Loango-Negerin.