Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1896) Die Thierwelt Ost-Afrikas und der Nachbargebiete : Wirbelthiere / Hrsg. unter Redaktion von K. Möbius
Entstehung
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Vorwort.

Ueber dem grössten Theil des Kriechthier-Materials, welches im Verlauf der letzten 12 Jahre in Deutsch-Ost-Afrika gesammelt worden ist, schwebte bis­her ein eigenthümliches Missgeschick. Da es von deutschen Forschern, vor­wiegend auf Anregung von Peters, dem früheren Direktor des Berliner zoologischen Museums, zusammengebracht worden war, wurde es natürlicher Weise ihm zur Bearbeitung anvertraut, was um so berechtigter war, da Peters, wie bekannt, eine erste Autorität in der Herpetologie gewesen ist. Gerade zur Zeit nun, als die bedeutendsten dieser von ihm sehnlichst erwarteten Sendungen hier einliefen, starb Peters, und seitdem ruhten sie unbearbeitet in den Vorräthen des zoologischen Museums in Berlin, weil die wenigen wissenschaftlichen Beamten, welche dieses Institut zu Peters Zeiten besass, durch andere gleich wichtige Arbeiten voll in Anspruch genommen wurden. So blieb dieses Material und vieles andere, das später hinzukam, liegen bis zum Jahre 1895, wo ich seine Bearbeitung übernahm.

Ursprünglich war ich nicht zum Mitarbeiter an diesem Werk ausersehen. Emin Pascha und Stuhlmann hatten bestimmt, dass Herr Dr. Pfeffer, wie bekannt der Bearbeiter ihrer »ersten« Kriechthiersendung, auch ihre ferneren Sendungen venverthen solle, und damit fiel ihm naturgemäss die Bearbeitung der vorliegenden Abtheilung dieses Reisewerkes zu. Leider sah sich Herr Dr. Pfeffer genöthigt, ein Jahr später den ehrenvollen Auftrag krankheitshalber abzulehnen, und so musste ich, als Verwalter der Reptilien- und Amphibiensammlung des Berliner Museums, an seine Stelle treten.

Die Arbeit, welche mir auf diese Weise zufiel, war sehr umfangreich. Dass ich sie relativ schnell erledigen konnte, verdanke ich erstens dem ausgezeichneten Vergleichsmaterial der Berliner zoologischen Sammlung, das in Folge der uner­müdlichen P'orscherthätigkeit eines Peters an Verlässlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt; dann dem Umstand, dass ein Theil der »zweiten« Stuhlmann-Sendung durch Dr. Pfeffer bereits bestimmt war, als er die Bearbeitung derselben ab­zulehnen gezwungen wurde.

Obgleich ich dem mir befreundeten Hamburger Gelehrten für diese sehr werthvolle und vorzügliche Vorarbeit zu grossem Dank verpflichtet bin, habe ich dieselbe doch nur als Kontrolle für meine eigenen Bestimmungen verwerthet, und in einigen zweifelhaften Fällen bin ich ausserdem nur meiner Ansicht gefolgt, übernehme deshalb auch allein die Verantwortung für Alles, was in diesem Ab­schnitt des Stuhlmann-Werkes an Artbestimmungen enthalten ist. Andererseits fügte es sich für diese Arbeit sehr günstig, dass Herr Oscar Ncumann, welcher dem Museum eine grosse Sammlung ostafrikanischer Kriechthiere übergeben hatte,