Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1896) Die Thierwelt Ost-Afrikas und der Nachbargebiete : Wirbelthiere / Hrsg. unter Redaktion von K. Möbius
Entstehung
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Einleitung.

Zur Geschichte der Säugethier-Fauna von Deutsch-Ostafrika.

Vor vierzig Jahren wusste man über die Thierwelt derjenigen Gegenden, welche jetzt das deutsche Schutzgebiet von Ostafrika bilden, noch nichts. Erst als im Jahre 1857 die englischen Reisenden Burton und Speke von der Sansibar- Küste aus zum Tanganyika zogen, wurden einige Nachrichten über dort lebende Säugethiere bekannt. Diese betrafen u. A. den schwarzen Büffel, die Giraffe, die Kudu-Antilope, das Nashorn, das Zebra und den Hyänenhund, insgesammt Thierformen, welche sowohl von Abyssinien, als auch von Südafrika schon seit längerer Zeit bekannt waren, dagegen niemals an der Westküste von Afrika beob­achtet worden sind. Schon hieraus durfte man schliessen, dass die Säugethier- Fauna jener Gebiete in näherer Verwandtschaft zu derjenigen von Nordost- und Südafrika stehen würde, als zu derjenigen von Guinea.

Wenige Jahre später unternahm Speke zusammen mit Grant seine be­rühmte Reise nach dem Victoria-Nyansa, auf welcher er die Landschaften Usaramo, Usagara, Ugogo, Unyamwesi und Usindja besuchte. Die Ausbeute an Säugethieren umfasste ca. 30 Arten, welche zum grössten Theile bereits von Südafrika bekannt waren, enthielt aber auch einige sehr interessante neue Formen, wie Herpestes granti, Gazella granti und Tragelaphus spekei. Die beiden ersteren Arten haben ihre nächsten Verwandten in Nordostafrika und man kennt ihnen ähnliche Formen aus Südafrika noch nicht.

Im Jahre 1862 begann Klaus von der Decken seine Forschungsreisen an der Sansibar-Kiiste und im Pangani-Gebiet; er wies weitere 9 Arten nach, unter denen eine neue, allerdings erst viel später beschriebene Kuhantilope, Bubalis cokei, sich befand. Der Generalkonsul J. Kirk führte im Jahre 1864 für den Rowuma einen Pavian und ein Rüsselhündchen auf. J. M. Hildebrandt stellte 1877 das Vorkommen der Weisswangen-Otter am Kingani fest.

G. A. Fischer, der erste, welcher die Lebensweise der ostafrikanischen Säugethiere eingehender untersuchte, sammelte auf seinen beiden grossen Reisen in das Massailand 1883 und 1885 innerhalb der Grenzen des Gebietes über 40 Arten, von denen 29 zum ersten Male dort nachgewiesen wurden, vier: Colobus palliatus, Crocidura fischeri, Crocidura ieucura, Anomalurus orientalis, für die Wissenschaft neu waren. Er brachte den Nachweis, dass bei Nguruman Mus abyssinicus und Xerus rutilus leben, welche man bisher nur von Abyssinien kannte.

Richard Böhm setzte die Fischer'schen Forschungen in glänzender Weise fort. Er sammelte zwischen der Küste und dem Tanganyika 6j Arten, von denen 27 für das Gebiet, 4 für die Wissenschaft neu waren und stellte 5 weitere