VORWORT.
Uie vorliegende Arbeit soll ein Hilfsmittel darbieten zur wissenschaftlichen Bestimmung der in Deutsch-Ostafrika lebenden Säugethiere; sie ist in erster Linie für Diejenigen geschrieben, welche als Jäger und Sammler sich mit der zoologischen Erforschung unseres Schutzgebietes beschäftigen. Der Zweck des Buches wird erfüllt sein, wenn es dazu beiträgt, das Interesse für das Studium der ostafrikanischen Säugethiere zu beleben.
Ich weiss sehr wohl, dass es mir nicht gelingen konnte, ein vollkommenes Bild von der Säugethierwelt unseres Schutzgebietes zu geben. Ich habe mich aber bemüht, alles das zusammenzutragen, was bis heute über den Gegenstand bekannt ist und nicht nur die reichhaltigen Sammlungen des Königlichen Museums für Naturkunde zu Berlin unter sorgfältiger Berücksichtigung der Litteratur untersucht, sondern auch das in den meisten europäischen Museen aufbewahrte Material verglichen. Trotzdem ist es für den Augenblick noch nicht möglich, eine vollständige Naturgeschichte der ostafrikanischen Säugethiere zu schreiben, weil nur aus dem kleineren Theile unseres Gebietes Präparate von erlegten oder gefangenen Thieren mit genauen P'undorten vorhanden sind. Weite Strecken des deutschen Schutzgebietes sind zoologisch noch vollständig unbekannt; südlich von der Linie Karema am Tanganyika — Mpwapwa in Ugogo — Dar es Salaam in Usaramo ist fast nichts gesammelt worden; auch über das weite Gebiet westlich von der Linie Karema—Emin-Pascha-Golf wissen wir wenig.
Dennoch wird diese Schrift Allen, welche sich über die Säugethiere von Deutsch-Ost-Afrika unterrichten wollen, eine sichere Grundlage liefern, auf welcher sie weiter bauen können.
Um nun ein möglichst nützliches Handbuch zu schaffen, habe ich nicht nur die für Deutsch-Ostafrika sicher nachgewiesenen Säugethiere aufgeführt, sondern auch eine grössere Anzahl anderer Formen, welche nördlich und südlich von unserem Schutzgebiete bereits gefunden oder anderwärts in dessen Nähe beobachtet worden sind, deshalb in Betrachtung gezogen, weil anzunehmen ist, dass sie dann auch innerhalb des deutschen Gebietes leben.
Ich habe mich darauf beschränkt, in die Beschreibungen nur die wesentlichen Kennzeichen jeder Thierform aufzunehmen, die mit Sicherheit bekannten Fundorte, sowie die bei den Eingeborenen gebräuchlichen Thiernamen aufzuführen und über die Lebensweise Dasjenige mitzutheilen, was sicher verbürgt ist.
Berlin, im October 1895.
Paul Matschie.