Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Die Schutzgebiete in der Südsee.

während Schweine, Hunde und Hühner auf den Inseln überhaupt fehlen. Der zum Betel­kauen nötige Betelpfeffer wird au Spalieren gezogen.

Die viereckigen, aus Holzplanken gebauten Häuser sind auf Wuwulu 47 m lang, 23,5 m breit und mit den Blättern der Kokospalme oder des Pandanus gedeckt. Die Siedelungen treten bald als Einzeldörfer, bald als Doppeldörfer oder Runddörfer auf; die beiden ersteren sind Straßendörfer, die letzteren mehr Haufendörfer; auf Aua soll nach Parkinson uur eine einzige größere Siedelung bestehen. Mit derselben Genauigkeit wie die Häuser werden auch die Boote gebaut. Man fertigt sie aus hohlen Stämmen, bis zu einer Länge von 18 ro. und einer Breite von 3,5 w, so daß sie 20 Ruderern Platz gewähren; im allgemeinen sind die Boote von Aua viel größer als diejenigen von Wuwulu. Die Ruder sind spitz zulaufende Holzblätter, Segel aber fehlen ganz, was vielleicht zu der großen Ab­geschlossenheit der Inselbewohner beigetragen hat. Holzspeere mit oder ohne Widerhaken, Keulen und Holzschwerter sind die Waffen. Den Fischen stellt man mit Fischspeeren, Angel­haken, großen Senknetzen und kleinen Handnetzen nach. Gern werden Feste gefeiert und Tänze aufgeführt, wobei von den Frauen besondere Tanzspeere getragen werden.

Auf allen drei Inseln hat das Haus H. R. Wahlen neuerdings Pflanzungen angelegt.

IV. Deutsch-Samoa.

Der Name Samoa hat den Ethnologen und Sprachforschern viel Kopfzerbrechen verursacht. Nur ganz kurz sei hier darauf hingewiesen, daß Sa-moa etwas dem Moa Zugehöriges oder Geweihtes bedeutet, und daß für den BegriffMoa" vier Erklärungen aufgestellt worden sind s314; 101^. Nach der einen ist Moa der Name der ältesten Königs­familie, die auf der östlichsten Insel saß, aber alle Inseln beherrschte. Danach bedeutet Samoa ein der Familie Moa gehöriges Land. Vielleicht nannte sich diese Familie nach der großen ausgestorbenen Vogelart Moa auf Neuseeland, die die ersten Ansiedler, falls Samoa von Neuseeland aus besiedelt worden ist, noch gekannt haben werden; Samoa hieße dann das der Moa geweihte Land. Diese Erklärung fällt mit der vorigen in vieler Hinsicht zu­sammen. Unwahrscheinlich ist ein dritter Versuch zur Erklärung des Namens, wonach Samoa das dem Huhne geheiligte Land ist, weil das Huhn, der größte Vogel der Inseln, vielfach als heilig und geweiht bezeichnet wird; Hühner sind aber vermutlich erst verhältnis­mäßig spät den Samocmern bekannt geworden. Nach der vierten Erklärung endlich be­deutet Samoa überhaupt das geweihte, das heilige Land, da Moa in der Sage der Leib der Erde, Sa aber auch heilig heißt. Die übrigen Namen der Inseln, unter denen die Bezeichnung Schifferinseln (siehe S. 3V9) etwa ein Jahrhundert in Deutschland geherrscht hat, sind gegen den von den Eingebornen gegebenen Namen Samoa jetzt völlig zurück­getreten, ja als verschwunden anzusehen.

Die Samoa-Jnseln erstrecken sich zwischen 172° 45' und 168° 9' westl. L. von 131/2 bis 14'/2° südl. Br. als eine von Westnordwesten nach Ostsüdosten verlaufende Reihe. Die größte Insel ist die westlichste, Sawaii, mit 1707, dann folgt Upolu mit 868 ykm, während Tutuila nur 133, Tau 53 ylciii Fläche hat. Der Rest verteilt sich auf Ofu mit