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Die Schutzgebiete in der Südsec.
III. Deutsch - Melanesien. ^. Kaiser-Wilhelms-Kand (Deutsch Neuguinea).
1. HberfMchengestatt.
Die Insel Neuguinea ist nurlmrch die Torresstraße von dem australischen Festland getrennt. Sie erstreckt sich in der Richtung von Südosten nach Nordwesten zwischen 12° südl. Br. und dem Äquator und innerhalb der Meridiane 154 und 129 östlich von Green- wich, wenn man ihr die Inseln in ihrer südöstlichen und ihrer nordwestlichen Fortsetzung zurechnet, nämlich die Louisiaden, den D'Entrecasteaux-Archipel im Südosten, die Inseln Waigeu, Salwati, Popa, Misol im Nordwesten. Mit den Inseln vor der Geelvinkbai und vor der Nordostküste hat Neuguinea eine Fläche von 814,000 c^m, ohne die Nebeninseln etwa 30,000 weniger; aber auch dann übertrifft es Skandinavien noch an Fläche.
Man ist berechtigt, die genannten Inseln hinzuzurechnen, da sie der Zusammensetzung nach wesentliche Bestandteile eines großen Gebirgszuges sein dürften, den man die Kordillere von Neuguinea nennen kaun. Diese bildet die Achse der Hauptinsel und der Gesamtgruppe, scheint sich nach E. Sueß s72o; m i, 304; m 2, 345) durch die südlichen Molukken bis Celebes fortzusetzen und hat vielleicht einst auch mit Neukaledonien einen Zusammenhang gehabt. Unklar ist ihre Beziehung zu der australischen Kordillere, die von Tasmanien aus in nördlicher Richtung der Ostseite des australischen Festlandes entlang zieht und anscheinend über die Torresstraße nach Neuguinea übersetzt; unsicher ist bisher anch ihr Verhältnis zu den Inseln des Bismarckarchipels.
Von dein Hauptkörper der Insel besitzt das Deutsche Reich einen Ausschnitt an der Nordostseite, der 1885 und 1886 durch Verträge gegen die niederländischen und britischen Teile Neuguineas abgegrenzt und Kaiser-Wilhelm s-Land genannt worden ist. Im Westen reicht dieses bis zum 141. Meridian, im Südosten bis 8° südl. Br., während gerade Linien, die man sich vom Schnittpunkt des 141. Meridians mit dem 5. Parallelkreis zu dem von 144° östl. L. und 6° südl. Br. und von dort nach demjenigen des 147. Meridians mit dem 8. Parallelkreis gezogen denkt, das Gebiet gegen Britisch-Neuguinea begrenzt. Es handelt sich also, entsprechend der noch nicht weit vorgeschrittenen Erforschung des Innern, vorläufig um reine Verwaltungsgrenzen, innerhalb deren Kaiser-Wilhelms-Land mit 181,650 ylün fast ein Viertel (22^/z Prozent) der Gesamtfläche Neuguineas einnimmt. Erst in jüngster Zeit hat die Auffindung von Mineralschätzen in den Grenzgebieten das Bedürfnis nach einer genaueren Festlegung der Grenzen wachgerufen.
Obgleich die erwähnte südwestliche Grenzlinie wohl kaum genau mit der Hauptwasserscheide der Insel zusammenfällt, so entspricht sie ihr doch im großen und ganzen und damit auch der Hauptachse des Neuguinea durchziehenden großen Gebirges. Wir wissen jedoch über die Beschaffenheit des Gebirges in dem britischen Grenzgebiete nur wenig, in der deutschen Grenzzone aber so gut wie nichts. An zwei Stellen sind die Engländer bis in das Grenzgebiet vorgedrungen, nämlich zwischen den Meridianen 147 und 146 und zwischen 145° 30' und 145°. Schließlich ist auch unter 142° der Palmerfluß bis nahe an die deutsche