Der Bismarckarchipel und die Salomonen. —
Die Französischen Inseln.
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(Mioko) ist sie erst um 1820—30 eingeführt worden, vielleicht von den Salomonen aus. Eine zweite Vereinigung im Nordosten der Gazellehalbinsel ist offenbar älter und greift noch mehr in das Leben der Bevölkerung ein als der Duk-Duk. Das ist der Bund Mara- wot oder Jngiet ^11; so^. Unter Marawot wird der Platz verstanden, auf dem sich die Mitglieder des Vereins versammeln, Jngiet dagegen heißt der Bund selbst oder der Tanz der ihm Angehörenden. In der Vereinigung finden sich fast alle Männer zusammen, die ihr zuweilen schon als Knaben beigetreten sind. Im ganzen ist der Jngiet von großem Nachteil für die Moral der Eingebornen: seine Begleiterscheinungen sind Unzucht, Raub und Diebstahl an NichtMitgliedern, d. h. meist solchen Personen, die das Eintrittsgeld in den Berein nicht erlegen können.
Bemerkenswert bei den Bewohnern der Gazellehalbinsel und von Neulauenburg sind noch die Schädelmasken. Sie werden aus Teilen des menschlichen Schädels verfertigt, nämlich den Stirnknochen, Gesichtsknochen und dem Unterkiefer.
K) Die Französischen oder Witu-Jnscln.
Im Nordwesten von Neupommern erhebt sich, 80 Iciri von der Küste entfernt, eine Gruppe von etwa acht Inseln, die Französischen Inseln (French Islands) s242; iss^, von denen drei einigermaßen groß und hoch sind. Man kann eine südliche Insel, Unia oder Merite, und eine nördliche Gruppe annehmen, die aus Garowe (Jle des Lucs) und Mundua (Forestier), als größeren, ferner Wambu(Wainbu) mitLumboila, endlich Wingoru, Undaga und Narage (Gippsinsel, auch Nordinsel oder Jle du Nord) als kleineren Inseln besteht. Weiter im Westen liegen noch das Wirbelwindriff und das Ottilienriff; ferner zieht sich westlich von Wambu eine von schwerer Brandung umtoste Sandbank hin.
Die Französischen Inseln haben einen jungvulkanischen Kern, über dem Korallenkalk lagert. Tätige Vulkane sind jedoch nicht auf den Inseln vorhanden, sondern die drei gleichhohen Kegelberge, die auf Unia zu 587 m Höhe aufsteigen, sind wahrscheinlich erloschene Vulkane. Die Insel Garowe ist in vulkanischer Hinsicht die interessanteste. An der Ostküste hat sich der Peterhafen durch Einsturz eines Kraters gebildet, dessen Osthälfte nun unter dem Meeresspiegel liegt (f. Taf. 29, Bild 1). Seine aus Laven und Tuffen bestehenden Innenwände haben 150 m Höhe. Auch Widuhafen an der Westküste scheint in ähnlicher Weise entstanden zu sein, hat aber noch größere Maße. In seiner Nähe soll sich der letzte Rest vulkanischer Tätigkeit befinden, aber es gibt auch noch heiße Quellen, und als 1895 nahe Peterhafen eine solche verschwand, soll gleichzeitig ein Strandriff 1 m über die Hochwasserlinie gehoben worden sein. Die höchste Höhe auf Garowe beträgt 300 m, auf Mundua oder Forestier, einer langgestreckten schmalen Insel, nur 150 m. Dagegen ist Narage ein 286 m hoher vulkanischer Kegel mit breiter Caldera im Südosten, an dessen frühere vulkanische Tätigkeit mehrere heiße Quellen erinnern; am Meeresufer wirft ein Geiser sein Wasser bis zu 10 ro. hoch empor.
Die Bevölkerung der Französischen Inseln hat die größte Ähnlichkeit mit den Stämmen des westlichen Neupommern (S. 433) und war früher ziemlich zahlreich, ist aber infolge einer Pockenepidemie seit 1897 arg zusammengeschmolzen, besonders auf Garowe, am wenigsten auf Unia. Ausgeführt wird vornehmlich Kopra; die Neuguinea-Kompanie hat als Besitzerin eines Teiles der Gruppe hier eine Handelsstation und eine Pflanzung mit über 40,000 Kokospalmen angelegt j42, isos/o?; 25).