12. Die weiße Bevölkerung und ihre Kultur.
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südafrikanischen Wildnis streifen, werden bald von der Erde verschwunden sein. Die Vergangenheit zeigt uns den Buschmann einerseits, die Hirtenvölker Südafrikas anderseits (mögen es Bantu oder Buren sein) in blutige Kämpfe verwickelt, in denen Recht und Unrecht, Schuld und Sühne in wechselseitiger Überbietung sich ablösten. Das Ende kann nicht zweifelhaft sein. Der Buschmann als der schwächere nicht nur, sondern auch weil er hoffnungslos jeder Kultur unzugänglich ist, muß unterliegen.
III. Kolonialwirtschaft.
12. Die weiße WevöMerung unö ihre Kuttur
spiegelt zunächst schon rein numerisch in der Gesamtzahl von 11,791 Seelen ^22), mit der sie unsere größte afrikanische Kolonie Deutsch-Ostafrika um mehr als das Dreifache übertrifft, die klimatischen Vorzüge wider, die Deutsch-Südwestafrika wie keine andere unserer Kolonien zu einer Stätte dauernder Besiedelung durch Weiße bestimmen. Das Land wird freilich nie den Traum derer erfüllen, die den Auswandererstrom aus dem Reich ganz in ein überseeisches Deutschland zu leiten hofften. Ein Vergleich mit der klimatisch und kulturell uns nahestehenden Kapkolonie läßt in dem besiedelungsfähigen Teil Deutsch-Südwestafrikas einschließlich Lehrer, Handwerker und Professionisten für etwa 100,000 Weiße den nötigen Unterhalt erwarten s23^. Die Erreichung dieses Zieles setzt einerseits viele Jahrzehnte ungestört fortschreitender Kolonisierung voraus, wird aber anderseits durch die Aussichten überboten, die sich an ein Aufblühen des Bergbaues knüpfen; der zieht vielleicht in schnellerem Tempo und über die Schätzungszahl hinaus Einwanderer nach Südwest. Wenn man bedenkt, daß Deutsch-Südwestafrika mit seinen rund 835,000 ylcm, mehr als das Anderthalbfache des Deutschen Reiches einnimmt, so sieht man aus der genannten Zukunftszahl der Bevölkerungsmöglichkeit, mit wie extensiver Bewirtschaftung der Trockenlandschaften unseres Schutzgebietes man von vornherein rechnet.
^. Die Zusammensetzung der weißen Bevölkerung,
der Staatsangehörigkeit nach betrachtet, läßt unter den fremden Elementen in unserem Schutzgebiet das Übergewicht Englands und der vereinigten Staaten Südafrikas deutlich hervortreten. Auf 9283 Deutsche kommen 1336 Angehörige des benachbarten britischen Südafrika und 310 Engländer des Mutterlandes, zusammen also 1646 englische Untertanen, deren Mehrzahl als Bergleute, Handwerker, Farmer und Händler zur wirtschaftlich unmittelbar produktiven Bevölkerung zählt. In weitem Abstand folgen die anderen Nationalitäten: Österreicher und Ungarn mit 182, Holländer mit 143, Finnländer und Russen mit 134, Italiener (hauptsächlich als Arbeiter in Keetmanshoop, Swakopmund und Groot- fontein beschäftigt) mit 114, endlich mit je 20—30 Köpfen Nordamerikaner, Portugiesen, Spanier, Norweger, Schweden; einige Schweizer, Griechen und Dänen beschließen die Reihe.
Für die wirtschaftliche Erschließung des Schutzgebietes kommen als leistungsfähig im großen außer den Deutschen nur die Engländer in Betracht. Das zeigt schon ein Blick auf die kleine Karte des Land- und Minengesellschaftsbesitzes. Es würde uns hier zu weit in die