Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Südwestafrika.

II. Die Landschaften.

5. Jer Küftenstreif. ^. Die Küstenlinie und die Inseln.

Es scheint, daß ein großer Schollenbruch die Küste Deutsch-Südwestafrikas geschaffen hat. Die Thermenlinie Reboboth-Windhuk-Otjikango-Omburo und die Tektonik des Groß- Namalandes, die wir später kennen lernen werden, stehen mit dieser Annahme in Einklang.

Daß in jüngerer Zeit das Meer vom südafrikanischen Festland sich zurückgezogen hat (negative Strandverschiebung), dafür sind aus dem südlichen Kapland s.85. 84^j zahlreiche Be­lege beigebracht. Im Bereich des Schutzgebietes zeigen im Süden auf der Insel Possession Gerölle, die weit oberhalb der Flutlinie lagern, und im Norden, bei Kap Croß, 4 Km land­einwärts mit typischen Brandungsmarken aufragende Felsen, daß ehedem das Meer weiter ins Land reichte.

Die alten felsigen Küstenbruchränder, an denen das ganze Jahr über, besonders von Juni bis August, eine schwere Brandung nagt, werden streckenweise durch Schwemmsand, der ihren Verlauf maskiert, vor Zerstörung geschützt. Nackt und steil ragen die Felsen der Lüderitz bucht aus dem Meer (Taf. 10, Bild 1,und Taf. 21, Bild 1). Dieser schönste Hafen des Schutzgebietes stellt ein versunkenes Tal dar. Seine westliche Wand bildet die 5 Icin breite Felszunge, die in der Angraspitze und dem Angrariff endet. Die Ostwand ist in dem Hügelzug von der Elsebake bis zum Diamantenberg landfest geblieben; von den nörd­lich sich anschließenden Höhen ist die Haifischinsel bei Ebbe mit dem Land so eng verbunden, daß eine Überbrückung nicht schwierig war. Die englische Pinguin- und Seehundsinsel aber haben den Zusammenhang mit dem Festland verloren; sie sind die Gipfel der Ostwand des versunkenen Tales. Die Lüderitzbucht bietet im innersten Winkel des Roberthafens Menschen und Gütern die sicherste Landung im ganzen Schutzgebiet (f. Schlußkapitel).

Das künstlich geschaffene Hafenbecken von Swakopmund ist versandet. Die nord­wärts gerichtete Benguelaströmung, die Brandung und die Gezeitenwirtung (mit einer mitt­leren Fluthöhe von 1 m) wirken dahin zusammen, daß längs der südwestafrikanischen Küste ein starker Sandtransport stattfindet. Vor einem Hindernis, das sich ihm in den Weg legt, staut sich der Sand, bis er den Winkel zwischen dem Hindernis und der südlich sich anschließenden Küstenstrecke so weit ausgefüllt hat, daß er nun darüber hinaus seinen Weg nordwärts fort­setzen rann. So landete das Meer südlich der Mole die Küste auf und spülte dann über deren Kopf hinaus den Sand in das Becken, in dem nun bald keine Landung mehr möglich war.

Wie hier und in ähnlichen von der Natur selbst gegebenen Fällen der Sandtransport des Meeres auf Vorsprünge der Küstenlinie nivellierend wirkt, so schafft er an anderen Punkten eine reichere Gliederung. Die Walfischbai verdankt ihre Entstehung dem weit ausholenden, nordwärts gerichteten Wachstum eines nehrungsartigen Sandarmes; er schließt ein teichartig ruhiges Becken von der draußen tobenden Brandung ab.

Welchem großen Wechsel innerhalb weniger Jahre die Einfahrt des südlich der Walfisch­bai gelegenen Sandfisch Hafens unterworfen war, mögen die folgenden Skizzen zeigen. So ist die Sandküste Deutsch-Südwestafrikas ständig in Fluß.