Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
Seite
331
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10. Das Ambolcmd.

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Gegensätze im Amboland. Über dem Vorzug, der sich in der hohen Jahressumme der Niederschlage ausdrückt, darf nicht vergessen werden, daß bei dem vollständigen Fehlen von Winterregen und bei der hohen Temperatur dieser tropischen Landschaften die Trockenzeit äußerst empfindlich ist. Soweit die Beobachtungen reichen, ist im mittleren Ambolande, im Umkreis der Etosa, der Juni, Juli und August so gut wie regenlos, dazu gesellen sich nicht selten der Mai und der September, so daß am Ende der fünfmonatigen Trockenzeit die Regen nicht minder als Retter herbeigefleht und begrüßt werden wie im Süden des Schutzgebietes.

Wie das Ende der Trockenzeit, so bringt auch ihr Anfang Gefahren. Zur Zeit des Eintrocknens der Tümpel im April und Mai tritt das Fieber am heftigsten auf. Unter diesem Wechsel von Durst und Wassernot und den Fiebern, die sich dazwischenschieben, leiden die wenigen ansässigen Weißen gesundheitlich und wirtschaftlich schwer. Legen wir aber einmal zur Wertschätzung des Landes den europäischen Maßstab beiseite, so müssen wir bekennen, daß die Natur im Ambolande die eingebornen Lebewesen aller drei Or­ganismenreiche üppiger als in irgendeinem anderen Landstrich Südwestafrikas sich ent­falten läßt. Nur hier tritt die Pflanzenwelt so dicht und auf weite Strecken so stattlich zu­sammen, daß man von Wäldern sprechen kann. Waldbewohner sind auch im Gegensatz zu allen südlichen Völkerschaften der Kolonie die Bantu dieses Gebietes,

v. die Ovambo (Tafel 16),

wie wir sie mit dem Worte der Herero zu nennen Pflegen, die Aajamba M^, d. h. die Reichen, wie sie sich selbst im Gegensatz zu den armen Herero oder Ovatjimba nennen.

Der Name Ovambo ist eine willkürliche Sammelbezeichnung für eine noch nicht fest­stehende Anzahl von Stämmen, die als Bantu nahe verwandt sind, politisch aber zu keiner Einheit, nur wirtschaftlich durch weitgehende Freizügigkeit über die Stammesgrenze hinüber und herüber sich zusammengeschlossen haben. Durch die Tätigkeit der finnischen Mission ist uns der Stamm der Aandonga am besten bekannt und damit etwas voreilig zum Typus der Ovambo gestempelt worden; auf ihn bezieht sich im wesentlichen, was im folgenden über die Ovambo zu berichten ist.

Den Aandonga schließen sich auf deutschem Gebiet im Westen und Nordosten die Uukuambi, Ombarantu, Ongandjera und Uukualuzi, im Norden, auf dem Grenzgebiet von Portugiesisch- und Deutsch-Südwestafrika, die Onguangua und die Uukuanjama an.

In Körperbau, Hautfarbe und Gesichtszügen stehen die Ovambo den Herero so nahe, daß es zurzeit jedenfalls unmöglich ist, Unterschiede zwischen beiden Gliedern der Bantu- samilie zu präzisieren. In der Kl ei d u n g weichen sie leicht kenntlich auseinander. Die Männer bedecken ihre Scham mit einem Schurz aus gegerbtem Ochsenmagen und umgürten ihren Unterleib mit einem etwa 30 ein breiten Rindslederstreifen, der genügend locker gebunden ist, um einen Taschenraum freizulassen, in dem die kleinen Alltagshabseligkeiten aufbewahrt werden. Die Uukuanjama, die als reisende Händler weite Fußwanderungen im Sande unternehmen, verdecken ihren After mit einer Ledertasche mit kleiner, nach unten gerichteter Halsöffnung, aus der Fett zwischen die Backen träufelt, damit sie sich nicht wund scheuern. Eine Kopfbedeckung gehört nicht zur Nationaltracht der Männer, die San­dalen gleichen denen der Herero. Eine Glasperlenkette um den Hals, hier und da ein Eisen­perlenband am Oberarm bilden den einzigen Schmuck des Mannes. Nur ein Schnecken­gehäuse rätselhaften Ursprungs (wahrscheinlich eine Conide), das vom Häuptling wie ein