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Südwestafrik.?.
Norden hin scheint sich das Land zunächst nicht besser gestalten zu wollen; haben wir aber erst, von Okaukwejo nordwärts wandernd, die öde Fläche am Westrand der Etosapfanne passiert, so umgibt uns ejne neue Welt:
10. Dcrs Amöocanö.
Neu ist die dichte Waldbedeckung, soweit sie die Axt des Eingebornen nicht gelichtet hat. Altbekannt tritt uns der Boden selbst entgegen; es ist jener feine Sand, auf den wir überall stießen, wo wir nach einer Ostgrenze unserer natürlichen Landschaften suchten.
Das Amboland ist in der Tat nur eine weit nach Westen vorgeschobene Zunge der Kalahari und hätte keinen Anspruch, als selbständige Landschaft Deutsch-Südwestafrikas zu gelten, wenn hier nicht die Gunst der natürlichen Wasserversorgung eine Bevölkerung seßhaft hielt, die ethnologisch, wirtschaftlich und politisch ihrem Siedelungsgebiet eine gesonderte Stellung anweist. Aber die Verbreitung dieser Stämme würde allein nicht zu einer natürlichen Abgrenzung des Ambolandes führen. Eine solche ergibt sich uns erst, wenn wir das Charakteristische seiner Wasserführung ins Auge fassen: das Amboland ist ein abflußloses Sonderfeld im Gebiet der Kalahariverrieseluug, mit der Etosa als Sammelbecken.
Danach ergibt sich als Grenze im Osten die Bodenwelle, auf der sich die Etosazuflüsse von denen zum Okawango scheiden; im Westen bilden die Felsen des Kaokofeldes eine Mauer; im Süden legt sich das Karstfeld als harte Schwelle vor den Sand; nach Norden stoßen wir auf die politische Linealgrenze, die Wohnsitze der Ambo reichen über den Kunene hinaus nach Portugiesisch-Angola hinein.
Wirksamer als die Küstenwüste das Namaland oder die Gebirgswildnis das Land der Herero vor dem Eindringen des Weißen schützte, hat
das Klima
ihrer Heimat den Ambostämmen bis jetzt den Daseinskampf mit der weißen Rasse erspart Die Wärme Verhältnisse liegen schon nicht günstig für den Europäer. Die Temperaturen im Ambolande sind aus doppeltem Grunde höher als die in den Südlandschaften des Schutzgebietes: mit der größeren Annäherung an den Äquator verbindet sich eine verhältnismäßig geringe Meereserhebung (s. Profil, S. 215). Das wirkt vor allem auch dahin, die in den Südlandschaften so wohltätige Abkühlung der Nacht abzuschwächen. Die Erhöhung der Temperaturen, die an sich weniger erschlafft als diese fatale Gleichmäßigkeit, läßt sich aus einer Gegenüberstellung der bezeichnendsten Monatsmittel von Olukonda mit denen von Windhuk erkennen. In Olukonda beträgt die mittlere Temperatur (nicht aus den Meeresspiegel, sondern auf 1070 ro. Meereshöhe bezogen) im November 26,e°, im Februar 24,0°, im Juli 16,r°. Wie selbst in diesen äqnatornahesten Gebieten unserer Kolonie die Kühle der Benguelaströmung und ihrer Auftrieb Wässer noch einwirkt, zeigt der steile Süd-Nordverlauf der Isothermen (s. Temperaturkarte im Anhang). Über den täglichen Gang der Temperaturen im Amboland liegt nur lückenhaftes und nicht einwandfreies Material vor; es ist deshalb ratsam, hier gründlichere Beobachtungen abzuwarten, Die erschlaffende Wirkung der Temperaturen würde einer dauernden Besiedelung des Ambolandes durch Weiße nicht im Wege stehen, wenn nicht die Hitze im Verein mit periodischen Überschwemmungen und Austrocknuugen das Land zur Brutstätte schwerer Fieber machte,