Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
Seite
325
Einzelbild herunterladen
 

9. Das Karstfeld.

243

bereits genannten Bogen die Feldausrüstung. Ein Haufen Gras und einige alte Felle darüber dienen als Nachtlager.

Die Kleidung der Bergdamara ist ebenso anspruchslos. Ein Hüftriemen mit einem Stück Fell hinten und vorn kleidet den Mann; die Schurzfelle der Weiber ragen hinten bis an die Waden, vorn decken sie nur halb den Oberschenkel. Zuzeiten vervoll­ständigt ein Schafpelz die Kleidung. Arm- und Beinringe, aus Binsen geflochten, und Halsketten aus Larmima - Samen s96^ bilden einen rechten südafrikanischen Armeleute­schmuck. Amulette um den Hals wehren bösen Geistern.

Was wir sonst von den Sitten oder Vorstellungen unzivilisierter Bergdamara kennen: Die Sitte, das Endglied des linken fünften Fingers abzuschneiden, der Aberglaube, daß der Genuß von Hasenfleisch dem Mann Verderben bringt, Vollmondtänze, Haitsiaibeb- Mythen: alles erweist sich deutlich als alter Hottentottenbesitz. Auch ihr Zusammenleben weist nicht das geringste Anzeichen einer ehemaligen ihnen eigentümlichen politischen Organisation auf. Jede Horde hat ihr Oberhaupt, aber keine Vorschrift normiert seine Bedürfnisse, keine Macht als die seines persönlichen Einflusses wahrt seine Autori­tät, und selbst die angesehensten Großmänner aus dem Anfang der 40er Jahre des ver­gangenen Jahrhunderts, Kaperinna und Katjipatera, standen als Hirten im Dienst Jonker Afrikaaners in Windhuk.

Die Fähigkeit der Bergdamara, in geordnete Zustände sich einzugewöhnen, ist oft überschätzt worden. Die Rheinische Mission, die sich seit rund 40 Jahren eingehend mit ihnen beschäftigt, sieht wenig hoffnungsfreudig in die Zukunft. Wir haben ihr Werk später in anderem Zusammenhang zu nennen. Mit rund 16,000 Seelen stellen die Bergdamara einen starken Prozentsatz der Eingebornen unseres Schutzgebietes.

9. Acrs KerrstfeLö. ^. Der Aufbau.

Das Landschaftsbild, wie es die Vegetation des nördlichen Kaokofeldes in ihrer merk­würdigen Mischung feucht-tropischer und trocken-subtropischer Gewächse, der anstehende Fels in massigen Erhebungen und tiefer Rivierzerfurchung bestimmt, ändert sich auffallend auf einer Linie, die von Otusemba in südöstlicher Richtung in die Gegend von Outjo zieht.

Nordöstlich dieser Linie wird das Land ebener, die Erhebungen ragen zum Teil nur inselartig auf, und ihr Gestein unterscheidet sich scharf von dem des Westlandes: es ist ein dolomitischer Kalkstein wohl desselben Charakters, wie er, in großen tafelförmigen Schollen IM das Massiv von Gauko-Otavi umlagernd, östlich von Ombombo (5060 Km südsüdöstlich von Gauko-Otavi) und bei Onganga (40 Km westlich von Gauko-Otavi) ge­funden worden ist. Als zusammenhängende Lage aber deckt Kalkstein das Land erst weiter im Osten. Der Otavidolomit, wie man den Kalkstein des Karstfeldes genannt hat, ist an der Oberfläche weißlich, nimmt aber nach der Tiefe hin jene dunklere Farbe an, die ihm auch den Namen des blauen Dolomits eingetragen hat. Petrographisch sK9Z zeigt er besonders in der Art, wie er verkieseln kann, große Ähnlichkeit einerseits mit den Kalk­steinen der Ngamischichten und dem Malmamidolomjt Transvaals, anderseits mit den Kalk­steinen, die im Groß-Namaland auf den westlichen Plateaus liegen.

is*