Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
Seite
317
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8, Das Kaokofeld.

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So sahen sich die Herero immer mehr eingeengt, am klarsten, als die schon seit 1891 empfohlene Reservatbildung endlich ins Leben trat. Da sahen sie, welch kümmerlicher Rest ihrer ehemals weiten Weidefelder ihnen geblieben war. Sie sahen sich vor den Kampf um ihre Existenz gestellt, und mit dem unaufhörlichen Gesang:Wem gehört Herero land? Uns gehört Hereroland!" bestürmten hinter der Linie die Weiber ihre kämpfenden Männer. Der Vernichtungskrieg hat, soweit sich die Zahl der weithin Zersprengten feststellen läßt, rund 18,400 übriggelassen.

Wir werden später sehen, welche Möglichkeit fortzubestehen den Unterlegenen allein noch offen steht. Wenden wir uns jetzt westwärts dem Lande zu, in dessen Weltabgeschieden­heit verarmte Herero, die Ovatjimba, die nicht den Anschluß an die fetten Weidegründe des Ostens fanden, ein bescheidenes Dasein führen. Hier im Kaokofelde haben auch die Bergdamara ihre Hauptzufluchtsstätten.

8. Acrs KcroKofeLö.

Die Grenze des Kaokofeldes bildet im Westen die Namib, die in diesen Breiten dnrch das nahe Herantreten der Tafelberge zur Küste als Terrasse deutlich gegen das Binnenland abgesetzt ist. Im Stiden schließt das Kaokofeld etwa das Karubrivier ab, iin Osten eine Linie, die zwischen Okombahe und den Erongobergen hindurch, dann in ostwärts offenem Bogen gegen Outjo zieht, somit alle Erhebungen über 1500 in noch dem Damamlande zu­spricht. Gegen das Amboland bezeichnet das Sandfeld, gegen das Karstgebiet der auf­fallende Wechsel des Landschaftsbildes, den der Otavidolomit bedingt, die Grenze. Im Norden bildet der Kunene den natürlichen Abschluß.

^. Der Aufbau.

Das Kaokofeld s41. 42. 43^ in der hier gegebenen Begrenzung ist mit Einschluß des angrenzenden Namibstreifs ein Ausschnitt aus der Zone des Aufstieges, die wir früher unter­schieden (siehe S. 141). Im Norden fällt das Land steil in die Niederung des Kunene ab. Aus dem Gebirgsland hier haben Flüsse in tiefen Erosionstälern, wie es scheint aus kristallinen Schiefern, einzelne Massive herausgeschnitten. So trennt der Santa Maria-Fluß, die letzte linksseitige Zuflußrinne des Kunene, mit 56 Icm breitem Tal ein 800900 m hohes Gebirge im Westen von einem östlichen Bergland, dessen Höhe auf 13001400 m geschätzt wird; imHohen Stein" erhebt sich dieses noch völlig unerforschte Massiv unmittelbar über dem letzten Katarakt des Kunene steil zu 1700 ir. Meereshöhe, 10001200 m hoch über die Talsohlen als weithin von portugiesischem Gebiet aus sichtbare Landmarke.

Unmittelbar im Süden des eben genannten westlichen Massivs steigt das Quellgcbiet der sechs nördlichsten Kaokoflüßchen, das Omatjengumagebirge, 11001200 in hoch auf, im Gegensatz zu den unregelmäßig profilierten Höhen in seinem Norden als ein typisches Tafelgebirge. An seinen Hängen entspringen von Norden nach Süden das Engo-, Mu- nutum-, Nadas-, Sechomib-, Chumib- und Hoarusib-Rivier, von denen aber nur die zwei südlichsten den Weg zum Ozean sich offen gehalten haben, während die anderen im Schutt der Namib ersticken.

Die Tafelberge des Kaokofeldes ziehen sich in 11001200 m Meereshöhe vom Omatjengumagebirge südwärts bis zum letzten Knie des Hoarusib bald als Plateaus von