6. Das Groß-Nmnaland.
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e. Die Hottentotten
des Kaplandes wurden im Laufe der Jahrhunderte in dem Maße, als die Weißen Ansiedler ihre Farmen ausdehnten, immer weiter nach Norden gedrängt. Ein Teil von ihnen ging verbastardet, verarmt und ohne Erinnerungen an die Eigenart ihrer Väter in ihrer alten Heimat im Dienst der Weißen auf, ein anderer Teil zog über den Oranje und setzte sich zwischen den Hottentotten st ämmen fest, die dort noch freie Herren des Landes waren. Diese Urstämme, die Naman unseres Schutzgebietes, waren ehemals weiter nord- und nordostwärts als heute tief im Gebiet der Ovambandjeru und Hcrero ansässig; das bezeugt eine große Anzahl Nama-Ortsnamen in diesen Landstrichen, in die von Norde!? her die Bantu erobernd eindrangen. Heute sind die Naman mit dem Stamm der Tvp- naars (so lautet die holländische Bezeichnung der oder/^o/"?ö», oder/^aivu,/«> am
weitesten noch im Norden ansässig; ihr Hauptsitz ist das Hinterland der Walfischbai, kleinere Familientrupps bewohnen die nördliche Namib und das Kaokofeld um Zesfontein. In ihrer Nähe, um Frcmzfontein, kam ein zweiter Namastamm, die Zwartboois ^///^/«»/ASa«), von seinen Sitzen um Rehoboth auswandernd, zur Ruhe. Den im Südosten unseres Schutzgebietes ansässigen Bondelzwarts ^/t?««»^«»/»^ Veldschoendragers (V/ÄttboKoil) und Fransmanhottentotten oder Simonkopperleute s?^,5»-^K)/^o/«^ hat der letzte Krieg jede Bedeu tung als selbständigen Stämmen genommen, sie werden nur in der Erinnerung des Kindesalters unserer Kolonie fortleben, ähnlich den Verbänden der Nooi Natie s//^«ttb<?,»), der Tsaibschen Hottentotten von Keetmanshoop <7/^ai-o/SM?) und der Grootdooden s//<)</Km) westlich von Rehoboth.
Zu diesen Urstämmen also gesellten sich von der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts ab Eindringlinge aus dem Kapland, Orlmn oder genannt: die Witboois s/X).'"'
dosin), die Hottentotten von Berseba f/I/ai//^M/M») und die Bcthanier f?^.mKÄ?), die Ain- raalhottentotten von Gobabis Cund endlich als letzter aufgeriebener, ehemals weit und breit gefurchtster Orlamstmum die „Afrikaaner" f//^^«//«ow), die zu Anfang des 19. Jahrhunderts sich in der Nähe von Calvinia (Kapland) mit dem Vieh ihres ermordeten Bureutyrannen unter Jager zusammenscharten, zum Oranjefluß flohen und dann um 1830, von Jagers Sohn Jonker geführt, der Roten Nation im Groß-Nmnaland gegen die Herero sich anschlössen. Es war die letzte Glanzperiode alten Hottentotten-Kriegsruhmes. Windhnk ward 1870 den Afrikanern unter Jan im Frieden von Okahandja zugesprochen; aber in endlose Fehden zersplitterte sich ihre Kraft, bis dann unter Moses Witbooi, Hendriks Vater, das Erbe an dessen Horden überging, um im Kampf mit der deutschen Herrschaft endgültig sich aufzulösen. Heute leben nach einer Zählung vom 1. Januar 1909 f22^j im ganzen noch 14,359 Hottentotten in unserem Schutzgebiet.
Der Kampfpreis, um den sich die Hottentotten des Groß-Nmnalandes bis zur Vernichtung zerfleischten, waren immer diese drei: Vieh, Wasser und Weide. Das Klima, wie wir es im vorhergehenden kennen gelernt haben, erklärt zur Genüge, daß das Land zu spärlich bewachsen ist, als daß es der Tierwelt auf beschränktem Raume genügend Futter und Tränken bieten könnte. In unseren Wintermonaten, wenn über der südlichen Halbkugel die Sonne am höchsten steht und am heißesten brennt, fallen, wie wir sahen, die Regen im Namalande. Aber sie fallen oft so spät und so spärlich, daß die Flur, soweit der Blick reicht, mit aschgrauen, verdorrten, längst abgeweideten Grasstümpfen und mit schwarzästigen,