6, Das Groß-Namaland,
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von alters her für den Ochscnwagenverkchr von größter Bedeutung gewesen: die Quelle von Ugama (etwa 2v1irQ südsüdwestlich des Passes durch die Tschaukaibberge) und die 13 Km südlich davon gelegene, ergiebigere von Kaukausib; die letztere gehört, wie es scheint, einem Rivier an, in dessen Bett an dieser Stelle das Wasser bis zur Oberfläche sich aufstaut. Nördlich des Baiweges, etwa 25 I^n nordnordvstlich von Lüderitzbucht, liegt die Wasserstelle Haris, die aber nur Hottentotten als Stützpunkt dient.
Wenn einmal ein guter Regen gefallen ist, dann hält sich das Wasser in versteckten Felsbecken in den Bcrgzügen der Namib wochenlang. Der Weiße kennt nur wenige von ihnen (Bankwasser in den Tschaukaibbergen), ihre eigentlichen Besitzer sind die Eingcbornen, die als
o) Nomaden voller Entbehrungen, aber frei umherschweifen. Man bezeichnet sie meist als Buschmänner vom Stamme der Gainin, obwohl es feststeht, daß sich ihnen viel verarmtes Hottentottenvolk angeschlossen und mit ihnen verbastardet hat. So zeigen denn auch die Physiognomien der Namibnomaden bald mehr Buschmann-, bald mehr Hottentottentypus. Ihre primitive Ausrüstung enthält den Bogen und mit einem Federausschnitt befiederte Giftpfeile, wie sie vor Einführung der Feuerwaffen die Hottcutotten führten. Mit ihnen, zuweilen auch mit einem entliehenen Gewehr, erlegen sie in guten Jahren Antilopen und Strauße, deren Felle, Gehörne und Federn sie an Hottentotten (als deren Hörige sie sich meist betrachten) gegen Tabak oder Jenen entbehrlichen Hausrat austauschen. Im übrigen nähren sie sich im äußersten Westen von Robben, Seevögeln und Tcllcrschnccken. Sie Hausen in offenen Kralen, regellos aus Buschwerk zusammcngehäufteu, an einer Stelle offenen Wällen, die kaum den notdürftigsten Windschutz bieten.
Daß die Namibbuschmänner frühzeitig in Abhängigkeit von ihren östlichen Nachbarn, den Hottentotten, gerieten, ist daraus verständlich, daß die Winterregen im westlichen Rand des Namalaudes die Hirten anlockten. Aus der Zeit, da die Hottentotten noch reich und frei waren, lehren uns die Aufzeichnungen des Kapitäns Morrell vom Jahre 1828, daß die Winterregengebiete des Namibrandes vom Juni ab das Ziel der Hottentotten mit ungeheuern Viehherden war. Und wenn auch im September wie Oktober, als dem südlichen Frühling, die Winterregenweide verdorrte, „die Quellen in den Tälern hörten nie ans zu fließen". Leider gibt Morrell die Namen der Wasserläufe nicht an, die er gesehen hat. ES könnte wohl der Kuiseb gewesen sein, der auch heute noch das ganze Jahr über an einzelnen beschränkten Stellen seines Unterlaufes Wasser oberflächlich fließen läßt. Die Tatsache jedenfalls, daß große Hottentottentrekks regelmäßig aus dem Binnenland westwärts sich wandten, ist für die Beurteilung der Namibbuschmänner als Sklaven und Mischlinge wichtig. Die Hottentotten selbst haben heute keine Herden mehr, für die sie im Wüstcnrande Weide suchcu müßten; wolleu wir die verarmten Reste ihres Volkstums kennen lernen, müssen wir ihnen ins Innere des Groß-Namalandes nachgehen.
6. Acrs Kroß-Wcrmcrtcruü
stellt, wie im Norden das Damaraland, einen Ausschnitt des Hochgebietes aus dem Gcbirgs- kranz Südafrikas dar. Während sich aber zwischen das Damaraland und die Namib das Kaoko- feld als ein selbständiges Landschaftsglied einschiebt, haben wir hier den gesamten Abfall des Hochplateaus bis hinunter zur Küsteuwüste als zugehörig zum Groß-Namalande zu betrachten.