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Südwestafrika.
Die Grenze im Westen bezeichnet die Namib, die sich in diesen Breiten weiter, als es nördlich des Swakop der Fall ist, in das Binnenland vorschiebt. Ihre Flugsanddünen engen das nördliche Groß-Namaland von Westen her stark ein; je mehr wir uns aber dem Oranje nähern, desto mehr schwinden die wüstenhaften Schuttmassen, das anstehende Gestein tritt lebensfreundlicher in den Bordergrund, die Tafelberge des Binnenlandes mit ihrer vorgelagerten Steppenzone springen weiter in Meeresnähe vor.
Die Südgrenze des Groß-Namalandes zieht der Orcmjelauf. Im Osten ist es wieder die Grenze des losen Sandes, die, hier noch ungenügend festgelegt, unser Land gegen die Kalahari abschließt.
^. Der Aufbau
des so umrissenen Gebietes läßt, erdgeschichtlich betrachtet, vier Gruppen von Materialien unterscheiden:
a) Den Unterbau, der alles trägt, setzen, wie in ganz Südafrika, Gesteine des Ur- gebirges, vorwiegend typische Gneise und Granitgneise, zusammen. Die kristallinischen Schiefer des Komasgebirges setzen sich in die äußerste Nordwestecke des Groß-Namalandes, in das Kuisebgebiet, fort W5^, während im äußersten Südwesten wechsellagernd Kiesel- und Grünschiefer, Quarzite und kristalline Kalke aus dem Klein-Namalande über den Oranje hereinragen s94^. Die Gneisformationen treten in weiten Gebieten des Groß-Namalandes zutage; sie bilden, soweit es sich bis heute übersehen läßt, einen breiten Halbring, der nach Osten offen ist, den ganzen Westen einnimmt, im Süden den Oranjelauf beiderseits bis über die politische Grenze hinaus begleitet, im Norden durch das Land der Bastards zieht, um dann, wie es scheint, unter dem Sande der Kalahari zu verschwinden.
Landschaftlich gehören die Gebiete des Urgebirges mit den unruhigen Umrissen ihrer von Wind und Regen zerfressenen Zackengipfel und ihren schuttbedeckten steilen Hängen zu den abwechselungsreichsten des Groß-Namalandes. Unvermittelt ragt Urgestein im zentralen Namaland an mehreren Stellen inselgleich aus den Schichten der jüngeren Formationen, so Gneis im Zwartkop südwestlich von Bethanien und nördlich davon Schiefer im Kniberg s93^j. Ferner tauchen zwischen den Huibschichteu der Kleinen Karasberge und den Hanamischichten des Fischslußgebiets im Westen Urgesteine auf; sie sind es auch, die die zerrissenen Hochgipfel der Großen Karasberge bilden j^76>
Das Urgebirge des Groß-Namalandes wird mehrfach durchbrochen von
d)Eruptivge st einen. Im äußersten Westen, im Übergaugsgebiet zur Namib, türmen Granite die Tschaukaibberge auf, ebenso weiter östlich die Wildnis der Tsirub- berge, und erheben sich zu größeren Massiven im Gebirge von Aos und Kubub. Auch im äußersten Norden des Nmnalandes ^114^ hat sich der Granit verheerend in die älteren kristallinen Schiefer hineingepreßt, hat sie in regellos verästelten Stöcken durchsetzt, oft in Schollen zerrissen und sich in breiten Kuppen über sie gelegt. Auf einem solchen Sockel gneisartig- grobflaserigen Granits ruhen die Sandsteine des Gansberges.
Im südlichen Namalande tritt Granit in den Großen Kamsbergen auf und bildet südlich der Kleinen Karasberge die Somerset- und Mac Donald-Massive.
Nächst den Graniten beteiligen sich p o r p h y ris ch e Gesteine an der Ausgestaltung des Landschaftsreliess. Quarzporphyr und Porphyrit bauen den gewaltigen Gebirgsllotz der Naukluft auf, die unzugänglichste Felsenfestung, die je Hendrik Witbooi bezogen hat.