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Neu-Mecklenburg (Bismarck-Archipel) : d. Küste von Umuddu bis Kap St. Georg ; Forschungsergebnisse bei d. Vermessungsfahrten von S. M. S. Möwe im Jahre 1904 ; mit 10 Taf., 3 Noten-Beil., zahlr. Abb. / hrsg. von Emil Stephan und Fritz Graebner
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Nen-MecMenbnrg.

Körperpflege. Männer badeten häufig, einige schwammen auch gut, doch weiß ich nicht, ob es alle können und wie sie es erlernen. Weiber habe ich nicht baden sehen, aber nach ihrem Aussehen ist nicht daran zu zweifeln, daß auch sie täglich baden. Zum Abtrocknen dienen große Blätter, die auch zu gewissen andern Rcinigungszwecken verwendet werden. Während die Barriai afi Bord der Möwe Seife) außerordentlich hochschätzten und zwar auch gewöhnliche, nicht wohl­riechende, war sie bei den Neu-Mecklenburgern nicht begehrt. Das einfache Waschen mit Wasser scheint indes doch nicht zu genügen, um den Körper gründlich zu säubern, denn die Leute strömen einen charakteristischen Geruch nach sauer gewordenem Schweiß und ranzigem Hautfett aus. Darum werden wohlriechende Pflanzen auch abgesehen von dem geschlechtlichen Anreiz sehr geschätzt, weil die Leute ihren eignen Geruch als unangenehm empfinden.

W affen.

Der Krieg aller gegen alle, der Urzustand der Menschheit nach Ansicht der alten Staatsrechtslehrer, ist freilich eine Fabel. Es ist ganz richtig, daß es zum Wesen des Menschen gehört, in Gemeinschaften irgend welcher Art zu leben. Ebenso gewiß ist allerdings, daß bei Völkern mit niedriger politischer Organisation zwischen jenen Gemeinschaften, wenn auch nicht ewige Feindschaft, so doch ein äußorst labiles Rechtsverhältnis besteht, das bei geringfügigen An­lässen mehr oder weniger offener Fehde Platz macht. So auch im südlichen Neu-Mecklenburg; Busch- und Küstenbewohner leben zwar nicht in ununter­brochenem Kampfe dagegen sprechen die Handelsbeziehungen aber in stetem Gegensatz, der häufig zu Zusammenstößen führt. 2 ) Und selbst die nah verwandten Bevölkerungen von Lamassa und Lambom befehdeten sich zeitweilig.

Hauptwaffe ist der Speer, 3 ) in Lambom nach dem Holze, aus dem er verfertigt wird, balku genannt. Nur die scharfe Spitzo pass mata ist sorgfältig gerichtet und von dem übrigen, hinteren Teile der Waffe, lai lunn , durch eine einfache, weiß gefärbte Schnitzerei getrennt (Abb. 31 a). Der fai von Lamassa (Abb. 31b) ist ein gerader, vorn und hinten spitz zulaufender Stab, ebenfalls mit geringer, hier ringförmiger Schnitzerei nahe der Spitze. Das Material, das einen etwas flachen Querschnitt mit einerseits weniger dichten Gofäßbündoln und daher nicht so fester Struktur begünstigt, und von hinten aufgesteckte Knochen nähern diese Form der nächsten, vorwiegend in Kandaß beobachteten Gruppe: der mbäle wird aus ratiill oder sindikdn beides Ptychosperma-Arten jetzt mit Messern geschnitten, mit Flaschenscherben und weiter den rauhen Blättern der Pflanze mossoii geglättet, zuletzt mit zerkleinertem Kokosnußkern poliert; vor dem aufgesteckten menschlichen Humerus sm»-, 4 ) dessen Gelenkwulste

J Sie nannten sie eano = gelb. 2 ) Vgl. Ber. der Gazelle p. 231.

3 ) Garnot bei Duperrey p. 528 erwähnt Speere mit Federschmuck, sowie mit Muschel-und Schild­pattbesatz, die also zum Teil an den mbcile, zum Teil an die Federlanzen aus jSfeu-Pommern erinnern. Ein Federspeer abgebildet im Atlas Taf. 19, 4 ganz ähnlich wie der Duke of York-Speer bei Hunter, Taf. zu S. 233. Knochen an den Likkilikki-Speeren erwähnt Lesson p. 98 (vgl. Atlas, Taf. 19, 5).

4 ) oder Tibia.

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