Druckschrift 
Die Wirtschaftstätigkeit der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft in den Jahren 1887-91 und ihre wichtigsten Voraussetzungen / von Bruno Kurtze
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

IO

c) Verwendung des Überschusses.

Der große Überschuß diente den Privatzwecken des Sultans. Seyyid Bargasch hatte sich in Chukuani südlich und in Chuini nördlich der Stadt Zanzibar kostspielige Paläste bauen 1 ), eine kleine Trambahn 2 ) zur Beförderung von Bausteinen aus den Brüchen anlegen lassen und eine Zuckerfaktorei rein zu seinem Vergnügen eingerichtet. Unter Seyyid Khalifa verschlang der Hofhalt im Minimum monatlich 80000 Rps. 3 ).

Seyyid Bargasch aber war nicht nur ein prunkliebender orien­talischer Herrscher, sondern auch einer der geschicktesten und großzügigsten Händler und Unternehmer seines Staates, ein Mann, dessen kaufmännische Fähigkeiten und Kapitalkraft sich gelegent­lich auch die DOAG zu nutze zu machen versuchte. Neben seinen Zuckerfaktoreien auf Zanzibar waren es insbesondere Schiff­fahrtsunternehmungen, denen er sich mit Vorliebe zuwandte. Vor den deutschen Erwerbungen schon hatte er eine Aden-Linie und eine Suez-Linie eingerichtet; da sie sich jedoch nicht rentierten, zog er sie bald nach den ersten Fahrten wieder ein. Bis an sein Lebensende betrieb er aber eine Linie Bombay-Zanzibar, die mit 200000 Rps., nach Lyne 3 ) mit 20000 £ jährlichem Verlust ar­beitete. Darauf aufmerksam gemacht, soll er geantwortet haben, daß seine Verluste durch die Erweiterung des Außenhandels und demzufolge durch die Vergrößerung der Zolleinnahmen wieder eingebracht würden.

Nur ganz ausnahmsweise legte er seine Mittel auch in öffent­lichen Arbeiten an, wie dem Bau einer Wasserleitung nach Zanzibar und der Herstellung von Straßen. Niemals aber hat diese Tätig­keit die Insel Zanzibar überschritten und beschränkte sich in der Regel auf die unmittelbare Umgebung der Residenz oder seiner Schlösser.

Wir haben es also mit einem für moderne europäische Be­griffe zwar unentwickelten, aber für ostafrikanische Verhältnisse und in Anbetracht der kolonialpolitischen Unerfahrenheit Deutsch­lands immerhin komplizierten Staatswesen zu tun, dessen ver­wickelte Struktur dadurch noch unübersichtlicher wurde, daß es kein geschriebenes Gesetz gab. Zanzibar war ein despotisch re­gierter Feudalstaat, der aber durch die Berührung mit der modernen

Lyne, a. a. O., S. 143.

2 ) G. Rohlfs, a. a. O.

3 ) Lyne, a. a. O., S. 143.