Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Kamerun.

vorgelagert ist und von dem Beuuestrom in ostwestlicher Richtung durchflossen wird. Durch dos breite Farotal steht es mit der Farobucht in Verbindung. Es handelt sich um ein Gebiet mit ziemlich komplizierter Oberflächengestaltung, indem weite Ebenen und mehr oder weniger zusammenhängende Bergrücken und Massive miteinander abwechseln.

Begeben wir uns ganz nach Westen auf englisches Gebiet, nach Muri nördlich des Benue. Dort erhebt sich auf der Nordseite ein gewaltiges altkristallines Massiv, das den Südabfall des Hochlandes von Bautschi bildet. Auf der Fahrt den Benue aufwärts sieht mau die kristallinen Gesteine untersinken, und es lagern sich mächtige Sandsteinmassen auf. Das geschieht östlich von Djen. Das so entstehende Sandsteinplateau bricht aber plötzlich mit ungefähr nordsüdlich streichendem Rande ab, und nun folgen weite Ebenen, aus denen einzelne Sandsteinschollen in gestörter Lagerung aufragen. Den gleichen Bau zeigt auch das breite Benue'tal nördlich und südlich des Flusses auf deutschem Gebiet. Die flachen Berge und Rücken bestehen aus dem fossilleeren Benue'scmdstein. Dazu kommen einzelne höhere Sandsteinketten sowie Inseln aus kristallinem Gestein. Der Saratse oder Berruere z. B. ist ein Stock aus Eläolithsyenit. Auch Basaltkegel kommen vor, z. B. der Madugu- Berg. Eines der charakteristischsten Sandsteinplateans ist das 300400 m hohe Hossere Tengelin nördlich von Garua, dessen steil abstürzende Wände für das Landschaftsbild sehr bezeichnend sind. Garua liegt schon fast an der Ostgrenze des Sandsteingebietes. Östlich des Tengelingebirges folgt dann ein welliges bis hügeliges Gneisland, aus dem einzelne Gneis- und Granitmassive aufragen, z. B. die Hossere Duli, Djäbake und Bäsima. Dieses Gneisland, das unter dem Namen Kebbjgneisland zusammengefaßt sei, liegt zu beiden Seiten des Flusses, der ihm den Namen gegeben hat, und zieht sich namentlich in süd­östlicher Richtung weit in das französische Gebiet hinein. Auf dem rechten Ufer zwischen Garua und Giddr ist seine Oberflächenbeschaffenheit sehr charakteristisch, indem lange, bis 1030 m hohe Wälle aus Quarzporphyr aus dem flachen Gneislande herausgewittert sind und Granitketten in mehreren hundert Metern Höhe mit zackigen, von gewaltigen Blöcken be­deckten Graten aufragen. In diesem Gneislande liegen zwischen den steilen Granitketten in zwei abgesunkenen Schollen die Dakumeschichten südlich und nördlich des Hossere Bororo und Lombel. Sie sind es, die die altertümlichen Brachyopoden enthalten und möglicherweise die ersten Beweise einer silurischen Transgression vorstellen. Am Nordrande jeder von den aus flach gelagerten Sandsteinschichten gebildeten Mulden tritt übrigens Trachyt in Form eines langen Walles auf. Sein Auftreten hängt anscheinend mit rektonischen Verwerfungen zu­sammen, durch die die Sandsteinschollen zwischen die Gneis- und Granitmassen geraten sind.

0. Nordaöamaua.

Nordadamaua besitzt nur ein einziges großes Gebirgsmassiv, das Mandara- Gebirge, das ähnlich dem Tschebtschigebirge von Südwesten nach Nordosten streicht, aber nicht die Höhe der Massive des mittleren Adamaua erreicht. Soweit wir bis jetzt über diesen Gebirgszug orientiert sind, scheint er im wesentlichen aus einem 800900 m hohen Plateau zu bestehen, dessen Ränder erhöht sind, so daß diese in einzelnen Bergen wohl 10001200 m Höhe erreichen. Nach allen Seiten hin, im Osten und Westen, Norden und Süden, stößt es an wellige Ebenen, aus denen isolierte Bergstöcke aufragen, also richtige Jnselbergregionen. Die Zahl dieser Jnselberge ist außerordentlich groß, vor allem auf der Süd- und Ostseite. Es scheint fast, als ob der Abfall nach Westen ganz besonders steil ist,