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Die natürlichen Landschaften.
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II. Die natürlichen Landschaften.
Beim Herausarbeiten natürlicher Landschaften ist es notwendig, die verschiedenen Faktoren, wie den geologischen Bau und die Oberflächengestaltung, das Klima und die organische Welt, gegeneinander abzuwägen und auf diese Weise Gebiete abzugliedern, die annähernd gleichmäßige Bedingungen uud Verhältnisse aufweisen. Dabei wird es nicht zu umgehen sein, daß bei solcher Operation Zusammengehörendes bisweilen getrennt, Gegensätzliches vereinigt werden muß.
Bezüglich der geologischen Formationen zerfällt die Kolonie in drei Hauptregionen, 1) das alluvial-marine Vorland nebst dem Kamerunberg, 2) den kristallinen Sockel und 3) das alluviale Tschadseebecken. Der kristalline Sockel ist nicht ganz einheitlich gestaltet, indem einmal das Benuetiefland als Sandsteingebiet, und ferner die juug- vulkanischen Regionen Südadmnauas, die von dem Manengubahochlande bis zum Kumbo- Hochlande reichen und auch im Ngaumderehochlande entwickelt sind, erhebliche Abweichungen aufweisen. Man erkennt ohne weiteres, daß eine solche Einteilung als Grundlage für die Abgrenzung natürlicher Landschaften nicht recht geeignet ist.
In morphologischer Hinsicht, also bezüglich der durch die geologische Entwickelung, Tektonik und Abtragung gegebenen Oberflächenverhältnisse, sind in Kapitel 2 (S. 425ff.) als besondere geschlossene Gebiete aufgestellt worden:
1) das Küstenvorland — nämlich die alluvial-mariue Zone nebst Kamerun- Berg und dem niedrigen kristallinen Vorlande;
2) das Plateau von Kamerun — also das altkristalline Plateau mit jungvulkanischen Auflagerungen und dem zum Teil wohl durch tektonische Bewegungen hervorgerufeneu Terrassenbau, den Gräben, Kesfeln fowie den durch Abtragung entstandenen Jnselbergen;
3) die Massivregion Adamauas mit ihren Ebenen und isolierten Massiven, also ein kristallines Gebiet nebst dem Streifen des Benue'saudsteins;
4) das alluvialeTschadseebecken,in Übereinstimmung mit dem gleichnamigen geologischen Gebiet.
In klimatischer Hinsicht steht das regenreiche Küstengebiet dem Innern gegenüber, das aber nicht gleichartig ist, sondern eine Abnahme der Niederschläge nach Norden aufweist, obeudrein im Süden eine doppelte Regen- und Trockenzeit hat. Daher hat Südkamerun andere Verhältnisse als die Mitte und der Norden. Das Klima allein kann in dem vorliegenden Fall nicht als Grundlage der natürlichen Landschaften benutzt werden, wohl aber in Verbindung mit den Vegetationsverhältnissen. Für die regenreichen Küstengebiete und für Südkamerun mit feiner doppelten Regen- und Trockenzeit ist der Wald charakteristisch, für das übrige Innere sind es die Savannen auf dem Hochlande von Südkamerun und die Buschsteppen der Massivregion. Im Tschadseebecken tritt insolge der Überschwemmungen der Wald aufs neue in Erscheinung. So besteht denn eine gute Übereinstimmung zwischen den orographisch-morphologischen Landschaften und den Vegetationsformationen, mit der einen Ausnahme, daß der Süden der Südkameruner Hochfläche bewaldet ist, die Mitte und der Norden aber mit Gras bedeckt sind.
Die Fauna schließt sich an die Vegetation an. Was nun schließlich die natür- lichenGrundlagender Kultur betrifft, so sind für diese in erster Linie Klima und