8. Kamerun als Kolonie. — Die Verwaltung. 513
Seit dem Beginn dieses Jahrhunderts hat sich also die Bevölkerung fast verdreifacht. Die Verteilung der Weißen innerhalb der Kolonie ist sehr uugleichmäßig; am dichtesten sitzen sie an der Küste. Dann kommt das südliche Kamerun, an dritter Stelle das mittlere und das nördliche Hinterland. Der Distrikt Duala besaß am 1. Januar 1908: 302 Weiße, Victoria 135, Kribi 104, Buea 103, Rio del Rey 13, Edea 58, Kamvo 21. Im Küstengebiet wohnen demnach 736 Weiße, d. h. über 65 Prozent. Von den Binnendistrikten steht Lomie infolge seines lebhasten Kautschukhandels mit 66 Weißen (1907: 82) an der Spitze. Dann folgeil Jaunde mit 59, Johann-Albrechtshöhe mit 42, Bamenda mit 39, Ebolowa mit 38, Dume mit 34, Lolodorf mit 28. Im Norden besitzt der Distrikt Garua 18, Kusseri 14 Weiße. Am geringsten ist ihre Zahl in Banjo und Joko, nämlich 9, resp. 8.
Was die Beschäftigung anbetrifft, fo betrug die Zahl der Regierungsbeamten am 1. Januar 1908: 144; zur Schutztruppe gehörten 87 und zur Mission 97. Pflanzer gab es 105, Kaufleute dagegen 381. Dann folgen Techniker, Handwerker, Arzte, Seeleute und andere Berufe in erheblich geringerer Zahl. Die Gesamtzahl der Männer belief sich auf 965; dazu kommen 112 weiße Frauen und 51 Kinder. Ein großer Teil der Frauen gehört der Mission an. Allein in den letzten Jahren wird es erfreulicherweise immer mehr Sitte, daß die verheirateten Weißen ihre Familie zu sich nehmen.
Bezüglich der Nationalität der Fremden stehen an der Spitze die Engländer mit 48 (davon 46 Kaufleute), dann folgen Amerikaner und Schweizer mit 39, resp. 24 Vertretern, die ausnahmslos der Mission angehören. Der Rest besteht aus Skandinaviern, Belgiern und Franzosen. Es gab 1906 sogar einen Japaner, der aber wieder verschwunden ist.
Einst zählte Kamerun, speziell Duala, zu deu ungesundesten Teilen der Küste. Infolge der Verbefferung der hygienischen Verhältnisse, der Schaffung besserer Wohnungen und moskitosreier Schlasräume, der Savrolbehandlung der Sümpse in der Umgebung der Ortschaften, ferner infolge der AbHolzung der Wälder und des Zuschüttens der Sümpfe ist die Sterblichkeit im Küstengebiet ganz wesentlich herabgegangen. In gleicher Weise geht man in Victoria vor. Wesentlich zur Verminderung der Malaria hat die systematische Chinin- prophylaxe beigetragen. Wie die Sterblichkeit abgenommen hat, zeigt folgende Tabelle:
1903/04 1906/07 1907/08
Duala . . 7 Todesfälle ^ 4,o? Proz., 3 Todesfälle — 1,3 Proz,, 5 Todesfälle ^ 1,oo Proz.
Victoria. . 9 - - 6,34 - 0 - - 0,o - 5 - - 3,o? -
Kribi. . . 1 - - 1,3 - 1 - - 1,05 - 0 - - 0,o -
Edea. . . 0 - - 0,o - 0 - - 0,a - 1 - - 1,o? -
Wie man sieht, schwankt immerhin die Sterblichkeitsziffer.
ü. Die Verwaltung.
Im ersten Kapitel wurde eine Darstellung des Verlaufes der Eroberung und Besitzergreifung der Kolonie versucht. Mit der letzteren drang auch schrittweise die Verwaltung iu das Innere vor. Heutzutage finden wir folgende Verhältnisse. An der Spitze der Kolonie steht ein Gouverneur, seit 1907 Dr. Seitz. Der Sitz der Verwaltung befindet sich in Buea. Obwohl es das Naturgemäßeste wäre, wenn fich der Sitz des Gouvernements in Duala befände, so ist doch mit Rücksicht auf die sanitären Verhältnisse ein gesunder Höhenort als Zentrale gewählt worden. Durch telegraphische und telephonische Verbindung mit Duala versucht man die entstandenen Nachteile einigermaßen auszugleichen. Neben dem Gouverneur befindet sich in Buea ein erster Referent, der gegebenenfalls als
Das Deutsche Kolonialreich. I. 33