Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Kamerun.

Größere Heidenorte beginnen erst im Tikarlande, wo einzelne Gebirgsstöcke den Verfolgten Halt und Sicherheit gewährt haben. In dem Randgebirge aber, besonders im Kumbo- Hochlande, hat sich eine relativ dichte Bevölkerung halten können.

Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse in Mitteladamaua, wo die Ebenen zum Teil so gut wie unbewohnt sind, während die ehemalige Bevölkerung in die Gebirge geflohen ist. Auch das Logonsumpfland hat deutlich die Rolle eines Rückzugsgebietes gespielt. Dagegen ist die dichte Bevölkerung im Benue'tal und in den Ebenen südlich des Tschadsees durch die Fruchtbarkeit des Bodens und die günstige Verkehrslage zu erklären. Es sind also bevorzugte Gebiete, in denen sich die Mohammedaner mit ihrer höheren Kultur entwickeln konnten.

Es braucht wohl kaum betont zu werden, daß der hier gemachte Versuch, die Be­völkerung Kameruns der Zahl nach abzuschätzen, die Bevölkerungsdichte zu ermitteln und die Ursache der verschiedenartigen Verteilung zu erklären, auf Grund eines durchaus unzu­länglichen Materials unternommen worden ist. Jnsolgedessen können die Resultate auch nur ein ungesähres Bild geben und werden zweifellos in Zukunft ganz erheblich modifiziert werden muffen. Immerhin dürfte, wenn auch die absoluten Zahlen nicht unerheblich von der Wahrheit abweichen sollten, die Kartenskizze von der relativen Verteilung der Be­völkerung ein annähernd richtiges Bild geben. Die amtlichen Zählungen und Schätzungen der nächsten Jahre werden zeigen, ob diese Auffassung richtig ist oder nicht.

8. Kamerun crts Kotonie.

Nachdem wir die geographischen und ethnographischen Verhältnisse Kameruns kennen gelernt haben, ersteht die Frage: Welche Bedeutung besitzt unser Gebiet als Kolonie? Es sollen folgende Punkte behandelt werden: 1) die weiße Bevölkerung, 2) die Verwaltung, 3) die wirtschaftlichen Verhältnisse, 4) der Handel, 5) die Finanzen.

^. Die Weiße Bevölkerung.

Kamerun ist, wie wir sahen, zum größten Teil ein sehr ungesundes Gebiet; nament­lich die feuchtheißen Tiefländer an der Küste und im Innern sind für Europäer dauernd nicht bewohnbar. Anders steht es mit den Hochländern, die mindestens 1200 m Höhe haben und im großen ganzen wohl malariafrei fein dürften. In diesen Gebieten wäre an sich eine dauernd ansässige, weiße Bevölkerung wohl denkbar; ob sie sich aber im wirt­schaftlichen Kampfe mit der eingebornen Bevölkerung wird halten können, ist freilich eine andere Frage. Auch ist es zweifelhaft, ob sich nicht bei der bedeutenden Höhenlage und dem heißen Klima Schädigungen des Organismus, namentlich Herzkrankheiten, bemerkbar machen würden. Jedenfalls könnte an eine streckenweise Besiedelung mit Weißen nur dann gedacht werden, wenn das Land durch Eisenbahnen erschlossen ist. Auch würde sich die Beschäftigung hauptsächlich auf Viehzucht erstrecken müssen, nicht aber auf Ackerbau.

Im Laufe der letzten Jahre hat die weiße Bevölkerung eine bedeutende Zunahme erfahren, wie die folgende Tabelle zeigt ^6^.

1899 ....... 425 Weiße, davon 348 Deutsche

1902 ....... 548 - - 456

1905 ....... 826 - - 738

1907 ....... 1010 - - 860 -

1908 ....... 1128 - - 971 -