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Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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7. Die Bevölkerung. Geistige und Charakter-Eigenschaften.

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In Jaunde sind besonders die Monate Juni, Juli und November wegen der Lungen­entzündung gefürchtet ^12, vni; 66^.

Sehr verbreitet sind Hautkrankheiten der verschiedensten Art. Auch Lepra ist im Waldland häufig, so in Duala und Balundu, ferner zwischen dem Mbam und Jabassi, ganz besonders aber in den Gebirgsmassiven Adamauas verbreitet. Pocken- epidemien entvölkern zuweilen weite Distrikte. So haben sie in den 1890er Jahren die Bagielli dezimiert und unter den Bakoko, Bakwiri und Wute zahlreiche Opfer gefordert. Neuerdings scheint sich auch die Schlafkrankheit auszubreiten, so z. B. am Ssanga s^5, 1908; i, 23i^j und im Waldlande an der Küste ^8, 1903; 176^. Geisteskrank­heiten dürften im allgemeinen selten sein. Aus manchen Gebieten aber werden sie als häufig erwähnt, z. B. aus Bansso ^8,1906; 707^, nach Menzel auch unter den Stämmen zwischen dem Mbam und Jabassi. Der Kröpf soll im Kumbohochlcmde verbreitet sein ^8, 1906; 239^. Auch über Alkoholismus wird von vielen Seiten geklagt, doch ist es zweifelhaft, ob diese Klagen, die namentlich von den Missionaren ausgehet:, uicht über­trieben sind. Im allgemeinen scheinen nämlich weder der Palmwein noch der aus Europa eingeführte Schnaps der Negerrasse in körperlicher Hinsicht besonders schädlich zu sein A 1902/03; 489^. Mansfeld freilich verdammt die Schnapseinfuhr als demoralisierend auf das entschiedenste ^51^. Auch v. Schkopp spricht direkt von eitler Degeneration der west­lichen Bakoko durch Inzucht und Palmwein. Allein diese Stämme tun berauscheude Nar- kotika in den Wein, und so ist wohl die schädliche Wirkung auf diese zurückzuführen. Jeden­falls stehen sich hier die Ansichten sehr gegenüber. Das Durrabier wird vou deu Sudäu- Negern oft in ungeheuern Quantitäten vertilgt, anscheinend aber, ohne ihnen zu schadeu.

Die körperliche Widerstandsfähigkeit gegen die verschiedenartigsten Einflüsse von außen her sowie die Fähigkeit, bei Vermischung die Rassencharaktere zu be­wahren, ist bei den verschiedenen Rassen außerordentlich verschieden. So sind die Bagielli anthropologisch ganz widerstandsunfähig. Sie gehen schnell in den Negern auf, wenn auch bei den Mischlingen eine Zeitlang der anthropologische Charakter der Pygmäen unverkenn­bar ist. Genau dasselbe gilt für die Fulbe. Seitdem sie zur Herrschaft gelangt sind, ver- negern sie infolge Vermischung mit den unterworfenen Stämmen rettungslos und ver­wandeln sich in Neger von dem beschriebenen zweiten Typus. Die Araber in Südbornu haben sich anscheinend wenig verändert, wohl nur deshalb, weil sie sich reiuer erhalten haben. Schließlich werden aber wohl auch sie in der Negerrasse aufgehen.

Die Negerrasse hat also in anthropologischer Beziehung eine unglaubliche Wider­standsfähigkeit und scheint fast unveränderlich zu sein. Alle fremden einwandernden Elemente werden aufgesogen, und das Resultat der Vermischung sind Neger, wenn auch vorübergehend eine Veredlung eintritt, wie sie bei den heutigen Mischvölkern erkennbar ist.

v. Geistige und Charakter-Eigenschaften.

Die natürliche Begabung und Kulturfähigkeit einer Rasse ist das Endresultat einer vieltausendjährigen Entwickelung, die vielleicht in ganz anderen Gegenden und unter ganz anderen Bedingungen, als sie heutzutage herrschen, erfolgt ist. Es ist ein großer Unterschied, ob sich eine Rasse uuter schwierigen Verhältnissen, z. B. in kaltem Klima, in hartem Kampfe ums Dasein mit der Natur entwickelt hat oder in der warmen Tropenzone, wo weitiger ein Kampf mit der Natur als vielmehr zwischen den Menschen sür das Bestehenbleibett oder den

Das Deutsche Kolonialreich. I. 30