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Kamerun.
Auch Verstümmelungen der Zähne sind nicht selten. Ausbrechen der beiden oberen Schneidezähne kommt bei den Balifrauen vor, während die Männer sie spitz seilen s40^. Verbreiteter dagegen ist das Feilen, bez. das BeHauen der Zähne. So tun dies im Waldlande ganz allgemein die Kreuzflußstämme s51^, die Mabum, die in den Rumpi- Bergen wohnenden Stämme s5, 1903, 11; 277^ und die Bakwiri ^2, 1901/02; 151^, ferner im Süden die Njem und Ndsimu. Unter den Graslandstämmen befeilen sich die Zähne die Bapigni, die Bandeng, die Bangangu, am Sanaga die Wute M; 76^ und die Bat- schenga IM; 68^ sowie in Bali die Männer. Im mittleren Adamaua tun es die Dekka, die Tschamba und die Durru, im Logongebiet die Tuburi ^49; 235^.
Die Zirkumzision kommt anscheinend überall vor. Jedenfalls findet man in der Literatur keine Angaben, aus denen mit Bestimmtheit hervorginge, daß sie einem Volke ganz fehlt. Nur von den Bakwiri behauptet das Preuß 142, iv; 133^, ein anderer aber mit der gleichen Bestimmtheit, daß sie vorhanden sei. Auch soll es vorkommen, daß die Zirkumzision nicht durchgehend ausgeführt wird. Bei den Kreuzflußstämmen werden beide Geschlechter beschnitten s51; 66^. Nach Mansfeld haben die Kreuzflußstämme früher für den Harem Sklaven kastriert. Sonst werden Eunuchen nur aus den mohammedanischen Reichen, z. B. aus Bornu, erwähnt.
Bezüglich der Körperpflege ist zu bemerken, daß die Neger im allgemeinen ziemlich reinlich sind und baden, wo sie nur irgend können. Allerdings werden auch Völker erwähnt, die sehr schmutzig und wasserscheu sein sollen. Nach dem Baden wird die Haut meist mit Palmöl oder sonstigem Fett sowie mit Rotholz eingerieben. In Adamaua werden die Gesichter bisweilen mit schwarzer Tinte bemalt, d. h. Striche über der Nase, auf den Schläfen und Wangen angebracht, namentlich von den Frauen. Im Sudan reiben sie gern mit gepulvertem Bleiglanz die Augenlider ein und färben die Nägel mit Henna rot.
Zahnpflege können die europäischen Völker viel von den meisten Negerstämmen lernen. Täglich werden die Zähne sorgfältig mit Wurzelu oder schwammigem Holz abgerieben, und nicht umsonst sind die Schwarzen wegen ihres gesunden, weißen Gebisses bekannt.
Mit Rücksicht auf die Sauberkeit rasieren die Bakwirifrauen die Schamhaare ab, oft auch die Haare in den Achselhöhlen und die Augenbrauen ^2, 1901/02; 151^. Die Jaunde reißen sich, wie Zenker berichtet, sogar die Augenwimpern aus ^12, vm; 40^. Es ist aber fraglich, ob diese Sitte allgemein im Gebrauch ist.
e. Gesundheitsverhiiltnisse.
Die Neger erreichen im allgemeinen kein hohes Alter. Man rechnet, daß es nur wenig Menschen gibt, die über 40 Jahre alt sind. Kriege, Krankheiten, Epidemien räumen furchtbar auf, zumal es an der nötigen Pflege und Ernährung in der Rekonvaleszenz mangelt. Dazu kommt, daß die Kinder st erblichkeit eine ganz kolossale ist — nach Mansfelds Beobachtungen scheint über die Hülste zu sterben ^51; 199^. Sie wird hervorgerufen durch die unzweckmäßige Ernährung, vor allem aber auch durch die Malaria. Viele Kinder sterben an dieser Krankheit, und die relative Immunität der Erwachsenen wird mit großen Opfern erkauft. Die Malaria ist besonders in dem Waldland der Küste und des Südens, aber auch in dem Tiefland Adamauas und des Tsadegebietes verbreitet. In dem Hochland dagegen sind es die Krankheiten der Atmungsorgane, Lungenentzündungen, vor allem auch die Dysenterie, die jährlich zahlreiche Opfer fordern.