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Kamerun.
vorgedrungen und noch im Vordringen begriffen sind. Manches, namentlich kulturelle Verhältnisse lassen es als möglich erscheinen, daß sie aus dem östlichen Teil der nordäquatorialen Schwelle zwischen dem Kongobecken und dem Weißen M hergekommen sind.
Die Fang haben nun die Kamerungruppe bei ihrem Vordrängen auseinandergesprengt 1^12, xii; 13?^. Es handelt sich hier um den südlichsten Teil dieser Gruppe, die Maka- gruppe, nämlich an der Küste um die Batänga, Kribi, Mabea und Ngumba, während sich die Maka, Gökum, Kaka, Bomöne, Kunabembe, Misänga, Bombassa und andere in das Innere zurückgezogen haben.
Nördlich der Makavölker sitzen zwischen dem Njong und dem Wuri die Bakoko, ein großes Volk, das in viele Unterabteilungen zerfällt. Auch die Duala seien dieser Bakoko- gruppe angegliedert. Während die Völker der Makagruppe von Süden her eingewandert sind, sind die der Bakokogruppe aus dem Osten gekommen, wie die Überlieferungen übereinstimmend berichten, und zwar sollen die Bakoko nach v. Schkopp ^2,1902/03; 482^j vor langer Zeit an einem großen Wasser gesessen haben und von dort durch Ungeheuer mit vier Beinen und zwei Armen vertrieben worden sein. Ob das Reiter waren? Da die Fulbe für jene ferne Zeit nicht in Frage kommen, kämen wohl nur die Reitervölker des Scharibeckens in Betracht.
Nördlich des Wuri sitzt die dritte Abteilung der Kamerungruppe. Diese sei nach den Bakuudu, die in religiöser Beziehung für diese ganze Gruppe maßgebend sind, Bakundu- gruppe genannt. Sie besteht aus sehr zahlreichen Völkern, die das ganze Waldland bis zu dem Rande des Hochplateaus im Norden einnehmen, und die wir später kennen lernen wollen. Die nördlichsten Stämme sind die Banjang und die Anjang. Nach Westen setzen sie sich in das englische Gebiet sort.
Innerhalb der Fanggruppe kann man, nach v. Stein ^8, xii; 131^, Völker unterscheiden, die zu verschiedener Zeit nach Kamerun eingewandert sind. So gehören zu den ältesten Einwanderern die Jaunde, Bane, Mwelle, Etüm, Esüm, während die Bule und Mpangwe in jüngerer Zeit eingewandert sind. Die jüngsten Ankömmlinge sind die Ndsimu, die jetzt noch den Ssanga aufwärts ziehen und unaufhörlich nach Norden Vordringen. Mit den Maka haben sie das Mischvolk der Njem gebildet. Überhaupt kommt es allenthalben an den Grenzen zweier Völker zur Entstehung von Mischvölkern und -sprachen, wie z. B. zwischen den Bakoko und den Jaunde, zwischen den Bule und den Ngumba usw., wie ja auch zwischen den Sudan- und Bantuspracheu.
L. Die anthropologischen Verhältnisse.
Mußte man schon darüber klagen, daß bezüglich der Sprachforschung so verschwindend wenig geschehen ist, und das meiste, was wir wissen, auf die älteren Forscher, namentlich Barth und Nachtigal, zurückzuführen ist, so liegt die anthropologische Forschung noch viel mehr im argen. Kein einziges Volk ist in anthropologischer Beziehung auch nur einigermaßen gut bekannt und mit Hilfe von Messungen und detaillierten Beschreibungen von Fachleuten wissenschaftlich erforscht. Es liegen lediglich mehr oder wenig oberflächliche und laienhafte Beschreibungen vor, und doch wäre eine eingehendere anthropologische Kenntnis der Völker Kameruns von allergrößtem Interesse, damit man sich endlich über die Verwandtschaftsverhältnisse Klarheit verschaffen kann. Die Aufgabe wäre um so interessanter, als wir die verschiedenartigsten Rassen hier in mehr oder weniger gemischtem Zustande antreffen.
Eine der interessantesten Rassen sind die Bagielli, d. h. die kleinwüchsigen