Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Kamerun.

Laubbuschwald vor. In dem nördlichen Adamaua jedoch dürfte der gemischte Steppenbuschwald überwiegen, und kommen wir in das Tsadeb ecken, so nimmt der reine Dornbuschwald weite Strecken ein. Allein er herrscht nicht überall. Der oben ge­schilderte schwarze Firkiboden, der in der Regenzeit ein Sumpfland bildet, ist fast baum­los und wird uur von Gras und niedrigen Kräutern bestanden. Im Gewirr von Fluß­betten aber, das wir im Bereich des Logonflusses und Schari finden, scheint früher ein Sumpfwald geherrscht zu haben. Allein dieser ist zum Teil, vielleicht zum großen Teil durch deu Menschen vernichtet worden, und statt dessen haben wir jetzt eine Parklandschaft mit Fächerpalmen und einzelnen Waldinseln, namentlich im Verlaufe der Flußbetten. Aber auch ganze Wälder von Borassus- und Hyphänepalmen kommen vor. Am Südufer des Tschadesees geht der Dornbuschwald nur bis an den Rand des Überschwemmungsgebietes heran. Im Bereich der Überschwemmungszone selbst findet sich indes nur Gras, bis der dauernde Wasserspiegel mit einer Schilf- und Papyrusmauer beginnt.

Die gesamte Flora Kameruns gehört der afrikanischen an. Nur auf den höchsten Höhen des Kamerunberges gibt es europäische Arten von kleinwüchsigen Blütenpflanzen. Bis jetzt sind einige dreißig solcher Arten nachgewiesen. Die Flora des Waldgebietes ist die spezifisch westafrikanische. Im Sudän, d. h. in Mittel- und Nordadamaua und im Schari- becken, herrscht die zentralafrikanische vor, die aber bereits zahlreiche ostafrikanische Arten aufweist. Im Graslande des Hochplateaus mischen sich westafrikanifche Formen mit zentral- und ostafrikanischen. Bemerkenswert ist, daß die Hochgebirgsflora des Kameruuberges neben wenigen europäischen Arten die größte Verwandtschaft mit der abefsinischen zeigt.

ö. Die Tierwelt.

Die Abhängigkeit der Tierwelt (s. die Textkarte, S. 445, und die Tierverbreitungs­karte im Anhang) von den Vegetationsformen ist in den meisten Gegenden klar erkennbar. So auch in Kamerun. Man kann hier eine Fauna des West afrikanischen Wald­gebietes und eine Fauua der Baobab-Savannenregion unterscheiden. In dem Übergangsgebiet zwischen diesen beiden Vegetationsformationen tritt auch eine Mischung beider Faunen auf.

Die Urwaldregion ist in erster Linie das Gebiet verdrängter Tierarten, die hier eine Zufluchtsstätte gesucht haben. Daher findet man dort viele Tiere, die sozusagen auf dem Aussterbeetat stehen, seltene eigentümliche Arten, die vielleicht zum Teil einer älteren Fauna angehören. Was für das Waldgebiet besonders charakteristisch ist, ist ferner der Umstand, daß die Tierwelt eine auffallende Ähnlichkeit mit der des malaiischen Tropen­waldes aufweist, die aber wohl weniger auf Verwandtschaft als vielmehr auf Anpassung an den Wald unter ähnlichen Bedingungen zurückzuführen ist, also eine Konvergenzerscheinung bildet. Unter den spezifisch westafrikanischen Tieren seien kurz hervorgehoben die Menschen­affen, die Halbaffen und einige merkwürdige, später zu erwähnende Insektenfresser. Für die Savannenregion dagegen ist besonders charakteristisch, entsprechend dem Reichtum an Weiden, die großartige Entwickelung der Wiederkäuer und anderer Pflanzenfresser (Anti­lopen in vielen Arten, Giraffen, Nashorn und andere) sowie der großen Raubtiere, die ja ihrerseits wieder von den Pflanzenfressern leben.

Betrachten wir zunächst einige der Hauptarten des Waldlandes. Unter den Huftieren sind vor allem zu erwähnen der kleine rote Büffel, der Buschbock und ein