Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
Seite
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4. Flora und Fauna.

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Auf den Hochländern erreicht die Bewölkung niemals diesen Grad, auch uicht während der Regenzeit. Während der Trockenzeit ist der Himmel sogar oft nahezu wolkeulos. Das Minimum erreicht die Bewölkung naturgemäß in dem trockenen Norden. Allein gerade das Tschadseegebiet zeichnet sich wieder durch auffallend starke Bewölkung aus, vermutlich eiue Folge der Verdunstung des Wassers in den Seen und Sümpfen des Tieflandes.

Der Feuchtigkeitsgehalt der Luft ist im Küstengebiet enorm, namentlich während der Regenzeit. In Duala beträgt die relative Feuchtigkeit um 4 Uhr nachmittags von Januar bis März bei 29,4° mittlerer Temperatur 74 Prozent, von Juli bis September bei 25,8° sogar 85, in Buea 89 Prozent ^12, 1399; 213^. Für die übrigen Gebiete fehlen Beobachtungen. Vermutlich nimmt der Feuchtigkeitsgehalt uach dem Innern schnell ab und schwankt beträchtlich mit dem Wechsel von Regen- uud Trockenzeit.

Entsprechend der wechselnden Regenmenge ist die Wasserführung der Flüsse in den verschiedenen Regionen der Kolonie recht verschieden. In dem regenreichen Küstengebiete, das nur eine kurze Trockenzeit aufzuweisen hat, führen die meisten Flüsse nicht nur jahraus, jahrein Wasser, sondern der Wasserstand ist verhältnismäßig nicht sehr bedeu­tenden Schwankungen unterworfen. Bei Duala betrug im Jahre 1907 der Unterschied zwischen Hoch- und Tiefstand 4,4 m (im Mai 1,96 m, im Oktober 6,4 m), bei Edea am Sanaga aber in demselben Jahr 6,5 in ^12, 1903; 152^. Allein schon in Ossidinge, am Kreuzflusse, wo die Trockenzeit erheblich länger währt als an der Küste, wächst die Differenz zwischen dem Hoch- und dem Tiefstand des Kreuzflusses, nämlich 13,5 m ^51; 2^. Ähnlich schwankt der Wasserstand in dem schmalen Oberlauf der Zuflüsse des Kamerunästuars. Sobald wir aber auf das Hochplateau kommen, wo eine ausgesprochen lange Trockenzeit vorhanden ist, wächst der Unterschied zwischen dem höchsten und niedrigsten Wasserstand noch mehr. Manche kleineren Flußläufe versiegen während der Trockenperiode völlig oder behalten nur einzelue Pfützen stehenden Wassers. Im nördlichen Adamaua ist die Zahl der trockenen Wasser­läufe schon recht beträchtlich trocknet doch selbst der Faro im Unterlauf zuweilen aus 1^8, 1902; 589^ und wächst wieder mit der Annäherung an das niederschlagsarme Gebiet des Tschadsees. Wie bedeutend der Wasserstand z. B. im Benue wechselt, geht daraus her­vor, daß man zur Zeit der Hochflut mit fast 2 m tief gehenden Dampfern bis Garua kommt, während man zur Zeit des Tiefstandes mit kaum eiuen Fuß tief gehenden Fahrzeugen nicht einmal bis Jbi gelangen kann.

4. Atorcr unö Icruncr.

Die Pflanzen- und die Tierwelt eines Landes hängt, abgesehen von den Oberflächen­formen, hauptsächlich von den klimatischen Verhältnissen ab. Eine solche Abhängigkeit findet sich auch in Kamerun deutlich ausgeprägt. Im Laufe der letzten Jahrzehnte sind mancherlei Sammlungen aus unserer Kolonie nach Berlin gelangt und zum Teil dort auch bearbeitet worden, allein es fehlt leider noch an zusammenfassenden, ausführlichen Dar­stellungen über die Vegetation und die Tierwelt der Kolonien, wie sie Nichtbotaniker und Nichtzoologen brauchen. Um Pflanzen- und Tiergeographie zu treibeu, sind so bedeutende systematische Kenntnisse notwendig, daß sich nur Botaniker oder Zoologen anpflanzen und tiergeographische Darstellungen wagen sollten. Da aber, wie gesagt, derartige Arbeiten so gut wie ganz fehlen, bleibt also vorläufig nichts weiter übrig, als sich au der Hand der