Part 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Place and Date of Creation
Page
440
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

440

Kamerun.

von Engler^ und Matschie entworfenen Karten nebst der kurzen Beschreibung einen Über­blick über die Vegetationsverhältnisse und Verbreitung der Wirbeltiere Kameruns zu machen. Naturgemäß sollen hier nur solche Gesichtspunkte hervorgehoben werden, die für eine Landeskunde wichtig sind, auch auf die Gefahr hin, daß Zoologen und Botaniker mancherlei an der Darstellung auszusetzen haben werden.

^. Die Pflanzenwelt.

Griesebach und Drude zerlegen die sür Kamerun in Frage kommenden Teile Afrikas in zwei große pflanzengeographische Regionen, das w est afrikanische Wald­gebiet uud die Baobab-Savannenregion. Verglichen mit diesen beiden Gebieten nehmen die Mangrov eformation an der Küste und die Flora der Hochgebirge einen bescheidenen Raum ein (s. die Vegetationskarte im Anhang).

Man kann die verschiedenen für Kamerun wichtigen Pflanzenformationen s4,1904; 73^ in zwei Hauptgruppen scheiden: die W a l d f 0 r m a t i 0 n und die Grasland­form a t i 0 n (s. die Textkarte, S. 443).

Die Waldformation setzt sich aus einer Anzahl von Typen zusammen, die eine ver­schiedene Verbreitung und Bedeutung haben.

a) Der Mangr 0 vewald ist auf die Brackwasserzone der flachen Lagunenküste be­schränkt uud besteht nahezu ausschließlich aus den auf Stelzsüßen stehenden Mangrovebäumen

d) Der Sumpfwald (gleich dem Alluvialwald Englers) entwickelt sich ans dem Mangrovewald dadurch, daß ?an6aiiuZ, Naxliia., ?tiosQix sxirioLg. und andere Bäume und Sträucher dichtes Gestrüpp uud Buschwald bilden.

0) Der Hochwald (tropischer, immergrüner Regenwald Englers) ist die groß­artigste aller tropischen Waldformationen. Hutter hat ihn eingehend geschildert 249^. Die gewaltigen, säulenförmigen, mit Strebepfeilern versehenen Stämme der Urwaldbäume steigen gerade ohne Äste 2030 m hoch auf. Daun erst entfalten sie eine breite Krone, auf derem Laubdach Epiphyten und Schmarotzerpflanzen hoch aufstrebend einen Wald über dem Walde bilden. Die Gesamthöhe der Urwaldbäume beträgt 4060 m, Unterholz fehlt vollständig. Der kahle Erdboden tritt zwischen den Stämmen zutage, so daß man sich nach allen Seiten frei bewegen kann, ähnlich wie zwischen den Pfeilern einer Kirche oder Moschee. Oft freilich hindert dichtes Gewirr von Lianen, die an den Stämmen empor­klettern, und deren lange Ranken herunterhängen, die Bewegung. Charakteristisch für diesen Hochwald ist, daß er sich aus sehr zahlreichen Baumsorten zusammensetzt. Fast jeder Baum ist von dem andern verschieden, und man muß oft lange suchen, bis man eine gleiche Art wiederfindet. Da die Laubkrone in unerreichbarer Höhe schwebt und die Stämme äußerlich einander oft sehr gleichen, so erkennt man das geschieht wenigstens in Südamerika die Bäume am besten am Geruch des frisch angeschlagenen Holzes. Unter den zahlreichen Baumarten seien nur einige wenige erwähnt: der mächtige Wollbaum Leida xstanära, der Mahagoniholzbaum, der Gelb- und Rotholzbaum, die Ölpalme, die Kautschuk liefernde TioKxia slastiea. Auch unter den Lianen gibt es Kautschuk liefernde Arten aus der Gattung I^ndolMa. Dieser Hochwald, der unter allen Wäldern wohl den imposantesten Eindruck macht, findet sich nur da, wo die Regen reichlich fallen (mindestens 15002000 min).

1 Diese Karte weicht bezüglich der Verbreitung des Waldes von den in der Literatur zu findenden Angaben ab. Daher ist die kleine Kartenskizze dem Text (S. 443) beigefügt worden, die die wichtigsten Regionen zeigt.