21. Der Njcissasee. — Matengohochlcmd. — Küstenstrich.
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Haupterzeugnis Feldhacken sind, mit welchen weithin Handel getrieben wird. Die Eisenindustrie im Livingstonegebirge ist noch weiterer Entwickelung fähig, nachdem auch an anderen Stellen reiche Vorkommnisse von Eisenerzen nachgewiesen sind W; 80, 8i. 41, 1903; ii7, ii8^. Kohlen dazu gibt es am Songwe, aber zur weiteren Entwickelung sind bessere Verkehrswege nötig (Südbahn).
Die Kleidung der Livingstonegebirgs-Bewohner ist höchst einfach: ein Zeuglappen, ein Fell- oder Grasschurz oder ein Blätterbüschel. Meist gehen die Leute nackt, oft auch die Weiber ^125; 100. 159; 83^, und ganz erstaunlich ist die Abhärtung in der zuweilen recht kalten Höhe. Von Waffen sieht man nicht viel, aber jedermann trägt einen langen Stab, wie viele Bergvölker.
Wie die Erfahrungen der Missionsstationen Bulongwa und Tandala lehren, ist das Klima Ukingas denEur 0 päern zuträglich, und da der Boden sich vielfach zur Pflugkultur für den Anbau von Getreide, Kartoffeln, Gemüse eignet, so kann das Land, wenn auch nicht in dem Maß wie Buanji, Siedelgebiet für Weiße werden ^125; 101^.
Die Südhälfte des Livingstonegebirges, die Landschaft Upangwa, ist für afrikanische Verhältnisse sehr dicht bewohnt ^427; 39 ff.^. Die aus niedrigen Pfahlhütten bestehenden Dörser liegen in Bambushainen versteckt, die von den Wapangwa, wie von den Wakinga, zur Gewinnung ihres Nationalgetränkes, des Bambusbieres, angepflanzt werden. Wohin das Auge blickt, trifft es auf solche Bambushaine und auf beackerte Abhänge. Durch Trunkenheit und infolgedessen auch durch Rauserei und Totschlag sind die Wapangwa in Übeln Ruf gekommen. In ihrem Charakter überwiegen Mißtrauen, Furchtsamkeit und Faulheit, woran die stetige Bedrohung durch die Wangoni viel schuld sein mag. Viele Leute tragen noch das einstige Sklavenzeichen der Wangoni, ein Loch im Ohrläppchen. Auf Schmuck und Putz legen Männer und Frauen mehr Wert als auf Kleidung, trotz der oft recht kalten Witterung, die es bis zum Rauhfrost bringt ft28; 8-14, 58^.
5. Das Matengohochlcmd. Der Küstenstrich.
Südlich vom Ruhuhueinbruch, also südlich des Livingstonegebirges, ist das Hochland in eine Reihe von Landschaften gegliedert, deren hauptsächlichste Bewohner die Wamatengo sind: das Matengohochland. Zwischen den langgestreckten Bergzügen liegen ausgedehnte, gut bewässerte Täler, die sich auch vortrefflich für Viehzucht eignen. Matengoland ist ziemlich gut bevölkert. Hier bestimmt oder bestimmte die stets aus Osten drohende Wangonigefahr das ganze Dasein. Die Dörfer und Hütten liegen zwischen den zahllosen Felsblöcken des Hochlandes oder in den Schluchten versteckt oder sind mit hohen Verschanzungen von Euphorbien und Palisaden umhegt ^167, Sev.; 15, iv. 149; 97-99^. Viele Eingeborne sind wirkliche Höhlenbewohner und schlüpfen bei Gefahr in ihre Löcher „wie die Ratten" ^434; 261-263, 327^. Doch trauen sich seit der Beseitigung der Wangonieinfälle die Leute mehr und mehr aus den Granithöhlen und Felsenschluchten heraus und bauen ihre Hütten auf die offenen Berghänge und Talsohlen. Ortschaften von mehr als 1000 Hütten und mit etwa 5000 Einwohnern, wie das Dorf des Häuptlings Ama- kita, haben ihre Größe vor allem dem äußeren Zwang der Feindesgefahr zu verdanken.
Das Klima ist frisch und gilt als fieberfrei. Die Regenhöhe beträgt auf der katholischen Missionsstation Kig 0 nsera (1150 m) etwa 1000 rniri, die mittlere Jahrestemperatur 20,5°, während die höchsten Temperaturen zwischen 32 und 33°, die niedrigsten zwischen 10 und
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