Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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21. Der Njassasee.

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Die Rukwabevölkerung befaßt sich mit der Herstellung vonBaumwollenstof fe n aus selbstgebauter Baumwolle, aber die Zunahme des Handels droht dieser Hausindustrie bald ein Ende zu machen ^125; 9^.Verwildert, nicht wild", wächst hier die Baumwoll­staude überall, wie in Unjamanga, wo sie ebenfalls angebaut und versponnen wird. Der sandige Allnvialboden ist ein vortrefflicher Baumwollboden, und das heiße Klima der Nie­derung fördert die schnelle und geschlossene Reife der Kapseln.

Die Missionen sind mit Eiser um die Erhaltung und Wiederbelebung der alten Baumwollkultur bemüht. Die Evangelische Mission (Brüdergemeinde) hat sich 1895 in Utengule unterm Mbejaberg angesiedelt, der ehemaligen Residenz der Wassangn-Dynastie Merere, die um 1877 Usafua erobert hatte, aber 1898 vom Bezirksamt Langenburg wieder zur Rückwanderung nach Ussangu gezwungen wurde. Zwei andere Stationen, in Jleja und Mbosi, folgten. Die katholischen Missionen der Weißen Väter haben vor mehreren Jahren nordwestlich vom Rukwasee die Station St. Peter Claver, ferner in Mkurue am Saifsi-Momba die Station St. Bonifaz und in Ubungu am Rukwa-Songwe die Station St. Moritz angelegt, von denen allen eine segensreiche Kulturwirkung auf die Rukwabevölkerung ausgeht ^178; 493^.

21. Der Mzctfscrsee.

1. Die Grabensenke nnd der Tee.

Von den vier großen innerafrikanifchen, unfer Schutzgebiet berührenden Seen, Vic- toria-Njansa, Kiwu, Tanganjika und Njassa, ist der Njassa der südlichste und derjenige, an dessen Gestaden wir den geringsten Anteil haben. Nicht ganz die nördliche Hälfte des Ostufers und das schmale Nordufer mit einem geringen Übergriff auf die Nordwestküste sind deutsches Gebiet, während die West-, Süd- und Südostküste zu Britisch-Zentralafrika und die übrige Ostküste zu Portugiesisch - Ostafrika gehören (S. 21).

Wie der Tanganjika, so ist auch der Njassa ein typischer Grabensee. Daß er durch eiszeitliche Gletschererosion entstanden sei, wie einige Reisende annehmen ft31; 310-314^, ist ausgeschlossen, da von eiszeitlichen Gletschern unter 12" mittlerer südl. Br. im Niveau des Njassagrabens nicht die Rede sein kann; in jenen Breiten liegt die eiszeitliche Schnee­grenze bei ca. 4000 in, also in einer dort gar nicht vorhandenen Bergeshöhe. Natürlich ebenso verkehrt ist die Auffassung, daß alle groben Ufergerölle des Njafsa Moränen seien. Das Becken des Njassasees ist vielmehr ein tektonischer Graben.

Dieser Njassagraben, den der See zum großen Teil ausfüllt, hängt nicht, resp, nicht mehr mit dem Grabenbruch des Tanganjika, mit dem oben geschilderten großen Zentralafrikanischen Graben, zusammen, sondern er setzt sich nordwärts, indem er sich gabelt, einerseits in die Senke des Rukwasees, anderseits in die des Ruaha fort (f. Karte auf S. 348) und läßt sich südwärts weit über das Südende des Njassagrabens hinaus, wo er sich in einen östlichen und westlichen Teilgraben verzweigt, in die weite Schireebene mit ihren Seen (Pamalombe) und Sümpfen verfolgen, während der westliche Teilgraben bald südlich vom Njassa zu enden scheint 193^. Durch den Nnkwagraben im Norden scheint aber einst eine Verbindung zwischen dem Njassa- und dem Tanganjikagraben bestanden zu haben (S. 347).

In der Erstreckung des Njassasees streicht der Grabenbruch in nahezu meridionaler Richtung; die Längsachse des Sees und seines Grabenbettes verläuft auf 34° 30' östl. L.

T>15 ?cutschö Kolonialreich. I.

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