21. Der Njassasee. — Ummbia. Bundali.
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besiedelt haben ^178; 44^; der Nordwesten ist ganz unbewohnt. Diesen Stämmen des Livingstonegebirges südlich benachbart sind die jenseits des Ruhuhueinbruches im Randgebirge wohnenden Wamatengo und Verwandte; in ihr Gebiet sind von Osten her die Wangoni tief eingedrungen und haben sich zwischen ihnen angesiedelt.
3) Die Bewohner des Kondelandes, die Wakonde, von denen Fülleborn die Wanjakjussa, die Waluguli, Wakukw e und Wassako besonders namhaft macht.
4) Die Bewohner des Berglandes Bundali (Untali), die Wandali, welche mit Stämmen des Livingstonegebirges (Wamahassi) verwandt sein sollen ^178; 302, 443^.
Die Geschichte der Völker ist am Njassa, wie an den anderen beiden großen Seen, die einer fortwährenden Bewegung. So sind die unter 1) genannten, unmittelbar am deutschen Njassaufer wohnenden Stämme zum größten Teil aus Flüchtlingen verschiedener Stämme des ganzen Njasfagestades zusammengewürselt. Von mehreren Stämmen des Livingstonegebirges berichtet die Tradition, daß sie noch vor nicht langer Zeit aus Osten gekommen seien. Andere Stämme des Randgebirges, wie z. B. die Wapangwa, sind aus Norden, aus dem Mbaraligebiet, eingewandert ^178; 408, 409, 443^, und ebenfalls von Osten und Norden her haben die Wanjakjussa und ihre Verwandten das Konde-Oberland in Besitz genommen, indem sie die primitiven Ureinwohner (Abirema) verjagten ^178; 302, 303^.
Die Kraft, durch welche alle diese Völker aus ihren ursprünglichen östlicheren und nördlicheren Wohnsitzen in das Njassagebiet getrieben worden sind, war die Expansion der Süluvölker, hier der Wangoni (S. 174). Aber auch in ihrer neuen Heimat fanden die Eingewanderten keine Ruhe vor ihren Bedrängern, zu denen außer den Wangoni oft auch Wafsangu und Wahehe sich gesellten. Nur die Kondestämme hielten so kraftvoll zusammen, daß sie den Ansturm der Wangoni abschlagen konnten und sich auch der Okkupation des Landes durch die Wassangu erfolgreich widersetzten, obwohl sie diesen vorübergehend tributpflichtig waren ^178; 303, 304^. Verhängnisvoller wurde für die Wakonde der Einfluß, der in den 1880er Jahren von den bei der britischen Station Karonga angesiedelten Arabern ausging. Mit Brand und Mord wüteten diese in Unter-Konde und schleppten die Ein- gebornen in Sklaverei. Alle diese Völkerbedrückungen und Völkerbewegungen begannen zum Stillstand zu kommen, als nach der deutschen Okkupation (1890) unser militärischer Machtbereich sich weiter ausdehnte. Ein Aufstand, den 1897 die Wanjakjussa der Konde- ebene gegen das Bezirksamt Langenburg unternahmen, wurde schnell niedergeschlagen, aber erst der blutige Feldzug der Jahre 1905—07 schaffte Ruhe im Njassaland.
Wichtige Mitarbeit bei der Pazifikation leisteten von Anbeginn die Missionen. Die schottische Mission hatte sich mit einer Handelsgesellschaft schon Anfang der achtziger Jahre in Karonga angesiedelt, dann, nach dem Teilungsvertrag von 1890, gründeten die „Evangelische Brüderunität" der Herrnhuter und die „Berliner Missionsgesellschaft" ihre Stationen: erstere in Jpiana, Rungwe, Nutenganio, Utengule, Mbosi usw., die letztere in Manow, Muakaleli, Neu-Wangemannshöhe usw. Von allen wurden neben der Missionsarbeit verdienstliche wirtschaftliche Versuche, z. B. mit Nutzpflanzen, ausgeführt. Durch Sprachforschungen förderten die Missionen unsere Kenntnis von den Eingebornen wesentlich.
2. Nrambia. Bundali.
Beginnen wir die Betrachtung der Einzellandschaften des Njassagebietes im Norden, so ist als erste die vom Oberlauf des Njassa-Songwe durchflossene kleine Landschaft