Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika.

her das Land unter seinProtektorat" stellte und arabische Residenten einsetzte ^381; 157^. Auch die dem deutschen Südosten des Sees angehörenden Nachbarn der Warungu, die Wafipa, sind teilweise wieder den Räubereien der Watuta von Süden her und vieler hamitisch beeinflußter Wanjamwesibanden von Osten und Nordosten her ausgesetzt gewesen 1^100, ii; 195^ während die nördlicher wohnenden Wakawende und Wawinsa hauptsächlich von Udjidji aus durch die Araber selbst gebrandschatzt wurden.

2. Die Randländer des Tcmganjita.

Unter denRandländern der östlichen Seeseite ist Uru nd i das nördlichste. Dieses zum allergrößten Teil dem Zwischenseengebiet angehörende Land haben wir schon oben (S. 322) kennen gelernt. Die vom hohen Westrand Urundis zum Tanganjika abfallenden, relativ schmalen Landstreifen sind ebenfalls von Warundi bewohnt und stehen nominell unter der Oberhoheit des Watussiherrschers von Urundi W; 394, 395^. In den unteren, dem See benachbarten Strecken ist das Land ein einziger kultivierter Garten. Bemerkens­wert ist, daß in der Umgegend von Usumbura im Norden und Nordosten des Tanganjika, von ca. 10 Km nördlich bis ca. 15 Km südlich von Usumbura und bis zur Höhe von 1700 ro. große Bestände von Olpalmen in der Zahl von mindestens 800,000 Bäumen stehen, die sonst auch noch in der Gegend von Udjidji und Bismarckburg am See vorkommen ^Verh. K. W. K. 1908, Nr. 1; 19-21^. Schon 1904 betrug die jährliche Produktion 12,000 Zentner Palmöl ^125; 132^ und hat sich seitdem immer mehr entwickelt. Es wird bis nach Tabora hin ver­handelt und zur Seifenfabrikation und als Speiseöl verbraucht ^Dkschr. O. A. 1907/08; 30^.

Aus ihre eigene Kraft und Volksmenge vertrauend, die in heftigen Fehden mit den Berg-Warundi obsiegte, haben die See-Warundi ihre Dörfer offen über das Land und zwischen ihre Felder und Pflanzungen zerstreut, eins der hübschesten Landschaftsbilder an der ganzen Seeküste W1; 154^. Ihr reger Tätigkeitstrieb, ihre sorgsame Bodenkulti- vation, ihr emsiger, auf zahlreichen Märkten betätigter Handelssinn versprechen auch sür die Zukunft viel. Der in der Nordostecke des Sees in prachtvoller Lage ^ Stunde vom Strand auf einem Höhenrücken erbaute Hauptort Usumbura (Militärstation und Regierungssitz für Urundi, f. S. 325) wird nach der völligen Pazifizierung der menschen- uud viehreichen Länder Urundi, Ruanda und Uha bald das alte Araberemporium Udjidji überflügelt haben. Der Hauptverkehr mit der Meeresküste geht über Udjidji-Tabora- Muansa, aber auch über Land durch Urundi nach Muansa und der Ugandabahn ist er im Wachsen. Außer dem Palmölhandel nach Tabora geht ein starker Export von Ziegen­fellen vom östlichen Tanganjikasee über Tabora nach Muansa.

Südlich an das Küstenland von Urundi schließt sich die relativ kleine, aber dicht be­völkerte Landschaft Udjidji. Ihre Einwohnerzahl wird auf 50,000 geschätzt, wogegen der Regierungsbezirk Udjidji ca. 1^ Million Einwohner zählt ^125; 131. 130; 102^. Auch hier wie in Urundi unterscheiden sich die am See sitzenden Küsten-Wadjidji in vieler Be­ziehung von den auf dem Plateau wohnenden Berg-Wadjidji; aber fie alle sind nahe ver­wandt mit den benachbarten Warundi und Wccha MI; 154^. Der König des Landes und seine Watualen sind Watussi wie alle Ober- und Unterhäuptlinge in Ruanda, Urundi und Uha. Seine Residenz liegt oben auf dem Randgebirge, abseits von dem Einfluß der nahe dem See gelegenen Araber- und Suahelikolonie, die unter dem Stadtnamen Udjidji eine so große historische und kulturelle Rolle gespielt hat (S. 78).