18. Der Tanganjikasee.
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von Ruanda und leben wie jene hauptsächlich von der Jagd und vom Betriebe der Töpferei ^276; 215, 216^. Die Warundi, die durchweg ein kräftiger, mittelgroßer Menschenschlag sind, üben weder Zahnverstümmelung noch Beschneidung und kleiden sich noch heute mit Vorliebe in Rindenstoffe (?ious), die von den Männern als Überwurf über der Schulter zugeknüpft, von den Weibern als Schurz um die Lenden geschlagen werden. Baumwollenstoffe sind noch relativ wenig im Gebrauch. Als Waffen dienen Speer und Bogen meist zusammen ^276; 216-222^.
Die Einwohnerzahl Urundis ist früher mit 3 Millionen sehr überschätzt worden (S. 81). Im ganzen mögen 1^—2 Millionen Menschen in Urundi leben. Im Verhältnis zu der reichen Bodenkultur ist auch der Viehbestand sehr groß. Fuchs schätzte 1906 die Zahl der Rinder auf mindestens 200,000, der Schafe und Ziegen auf mehr als eine Million ^130; 11.^. Lediglich Rinder- und Ziegenfelle bilden die Ausfuhrprodukte Urundis, die meist über Udjidji nach Muansa und zur Ugandabahn gehen. Die Übergriffe der Fell- und Viehhändler haben aber in Urundi ebenso wie in Ruanda dahin geführt, daß das Gouvernement das Betreten des Landes, das als Residentur verwaltet wird, verboten hat, um Störungen des Friedens zu vermeiden. Sitz des Residenten ist Usumbura am Tanganjikasee, ein kleines Städtchen mit der Boma einer Schutztruppenkompanie, mit Post- und Zollamt, Markthalle, zwei europäischen und mehreren indischen Handelsniederlassungen usw. (S. Taf. 18, Bild 3.) Sobald Urundi dem Handel und Verkehr geöffnet werden kann, wird dieses große Land, dessen natürliche Reichtümer „hochgespannte Erwartungen eher übertreffen als enttäuschen werden" ^348; 260-262. 351d; ioj, und das in seinen westlichen hohen Berglagen der europäischen Besiedelung weite Räume bietet, sich zu einem der wichtigsten Bestandteile unserer Kolonie entfalten.
18. Der GcrngcrnziKcrsee.
1. Der Zentralafrikanische Graben. Der See.
Die an der Westgrenze Deutsch-Ostafrikas entlang ziehende riesige Bodensenke, in welcher der Tanganjikasee und der Kiwusee liegen, ist ein Stück des Zentralafrika- nischenGrabens. Deutschlands Anteil an dieser gewaltigen Grabenversenkung erstreckt sich über die Osthälften des Tanganjika- und des Kiwusees und der diese beiden Wasserbecken verbindenden, vom Russissi durchfloffenen Grabenstrecke. Wie der Große Ostafrikanische Graben (S. 250), so ist auch der Zentralafrikanische Graben ein ungeheurer Riß in der Erdkruste, der durch ostwestliche Spannung der Erdrinde aufgeborsten ist und deshalb ziemlich meridional verläuft. Das Aufreißen aber war wie am Großen Ostafrikanischen und am Njassa-Graben mit einer Aufwärtsbewegung der plötzlich von der Spannung befreiten Bruchränder verbunden, die nun als aufgewulstete Randberge den Graben beiderseits begleiten, während zwischen den auseinandergerissenen Bruchwänden der lange, schmale Streifen der Erdrinde in die geöffnete Kluft gesunken und mannigfach zerbrochen ist, so daß die einzelnen Schollen in verschiedener Tiefe liegen. Über den am tiefsten eingesunkenen Schollen haben sich die Gewässer zu Seen angesammelt. (Vgl. die Übersichtskarte auf S. 326.)
Im Süden beginnt der Zentralafrikanische Graben ungefähr bei 8° 45' südl. Br. und streicht bis an das Nordende des Kiwusees mit seinen Rändern im allgemeinen