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Ostafrika.
die Eingebornen haben deshalb ihre Dörfer auf die unzugänglichsten Bergeshöhen gelegt und burgartig verrammelt (S. 344). Auch im Norden und Süden der Vulkane herrschen keine friedlichen Zustände. Die Watussiherrscher führen häufig Krieg gegen diese Stämme an der Peripherie des Ruandareiches. Die Bedrängten suchen oft ihre Zuflucht in den Wäldern der Vulkanberge, wo bis gegen 3000 m Höhe sich Spuren von Fluchtdörfern und Rinderherden finden.
Zwischen der alten Bevölkerung der Wanjaruanda lebt im Vulkangebiete ein jüngeres Bevölkerungselement, die Bakiga ^293; 289, 290^. Sie sind, gedrängt durch die Waregga, vom Kongostaat her in Ruanda eingewandert und haben allmählich den größten Teil des Gebietes am Fuß der Vulkane bis zum Knie des Njawarongo besiedelt. Nominell dem König von Ruanda unterstehend, sind sie immerwährend aufsässig und werden von der übrigen Bevölkerung wegen ihrer frechen Diebereien gehaßt.
Gleichermaßen von den Wahutu und den Bakiga gehaßt und gefürchtet werden die Batuastämmedes Vulkangebietes. Während die „zahmen" Batua überall in Ruanda und Urundi als Ackerbauer und Handwerker, namentlich Töpfer, verstreut sind (S. 305), gehören die „wilden" Batua zwei Gruppen an MI; 76^, von denen die eine das große Rugegewaldgebiet, die andere die Wälder der nördlichen Ruandaprovinz Mlera, also des Vulkangebietes, und den südlich anschließenden großen Bugoiewald als Jäger und Räuber durchstreift. Ihre eigentümlichen Hütten, ihre langen Speere, ihre merkwürdigen zusammengesetzten Bogen und durch Bügelfiederung ausgezeichneten Giftpfeile sind öfters beschrieben worden ^293; 300-306^. Auch daß die furchtsamen Umwohner die Zwerghaftigkeit dieser Batua übertrieben, wurde schon von Kandt betont, welcher Körpermaße von 140 bis 145 ein für sie angibt ^293; 246. 348; 305^. Dufays traf keinen Batuamann unter 1,s in an. Die genauen Messungen des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg bewegen sich zwischen 142 und 172 ein Körperlänge, die meisten zwischen 150 und 160 ein, und Cze- kanowskis 70 Messungen ergeben einen Mittelwert von 160,9 om; die kleinste Frau hatte 129 oiri, der größte Mann 171 em ^372, Nr. 305^. „Trifft man gar auf Batua, die einen um Haupteslänge überragen, so bekommt man einen gehörigen Respekt vor diesen in Wald und Kälte gehärteten Knochen" ^367; 8^. Die Batua können also in ihrer Gesamtheit „niemals zu den Zwergvölkern gerechnet werden", wogegen die der Insel Kwidschwi im Kiwu- see beträchtlich kleiner zu sein scheinen und weiter nördlich die Mombuttistü'mme am Runsoro wirkliche Pygmäen von 136 bis 142 Höhe sind ^372, 1908; Nr. 88^. Für Kannibalismus der Batua fanden Kersting und Beringe deutliche Anzeichen.
5. Nrundi.
Das südlichste Land im Zwischenseengebiet ist Urund i. Es reicht vom Akanjarn im Norden, der es gegen Ruanda abgrenzt, bis zum oberen Mlagarassi im Süden, wo sich Udjidji anschließt, und im Osten von der Grenze Ussuwis und Uhas bis zum Zentralafrikanischen Graben im Westen. Es gehört zu dem großen Tonschieferplateau des Zwifchenseen- gebietes, und wie dort, so überwiegen auch durch Urundi Schiefertone, Quarzite, Quarzit- schiefer, Phyllite in steil aufgerichteten Schichten, die meist NNO-SSW streichen und steil nach WNW einfallen. Vereinzelt treten dazwischen Gneise, Glimmerschiefer und andere Gesteine in gleicher Lagerung auf, während in den tiefen Erosionstälern des Ruwuwu wie des Akanjaru Granit als Liegendes zutage tritt ^276; 78, 154, 273-277. 38; 45^.
Wie Ruanda, als dessen südliche Fortsetzung Urundi in geologischer, orographischer,