Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika.

An dem gesamten über die Binnengrenzen unseres Schutzgebietes gehenden Handel (7,310,006 Mk.) sind also (1907) die Zollstationen des Victoriasees mit 6,670,661 Mk. be­teiligt. Und von dem ganzen über die englische Ugandabahn gehenden Handel des eng­lischen und deutschen Victoriaseegebietes macht der deutsche Anteil etwa zwei Drittel aus. Wenn es erst gelingen wird, die Eingebornen unseres Schutzgebietes dahin zu bringen, daß sie von den Erträgnissen ihrer Hauptarbeit, des Anbaues.von Sorghum und anderen Getreide­arten, weniger in Alkohol verwandeln jetzt dienen etwa 80 Prozent der Produktion der Herstellung von Pombebier ^327; 519^ und mehr zu Markte bringen, wird auch am Vic- toriasee der Aufschwung in Handel und Wandel sich in noch ganz anderen Maßen steigern.

17. Acrs Irischenfeengebiet.

Bei der Betrachtung der westlichen Randlandschaften des Victoriasees haben wir schon ein Stück des zwischen dem Victoria-Njansa und dem Zentralafrikanischen Graben sich ausbreitenden Zwischenseengebietes kennen gelernt, denn die westlichen Rand­landschaften des Victoriasees sind zugleich der Ostabfall des Zwifchenseengebietes. Wir brauchen deshalb hier nur kurz ihren Zusammenhang mit dem letzteren zu skizzieren.

Den Raum zwischen dem Victoria-Njansa im Osten und dem Albertsee, Albert- Edward-See, Kiwusee und Nord-Tanganjika im Westen nimmt das Zwischenseengebiet ein, das innerhalb der deutschen Grenzen die Landschaften Deutsch-Buddu, Kisiba-Jhan- giro, Ussuwi, Karagwe, Deutsch-Mpororö, Ruanda und Urundi umfaßt. Nur wenige Ge­biete Ostafrikas haben so starke natürliche Grenzen wie dieses: im Westen den großen Zen­tralafrikanischen Graben und die bis fast 3000 m hohe, von Urwald bedeckte Wasserscheide zwischen Nil und Kongo; im Osten die Umrandung des Victoriasees, im Süden die Berge und Sumpftäler von Urundi und Ussuwi, im Südwesten die Wildnis eines viele Tagereisen breiten Urwaldgürtels, im Nordwesten die wie eine Mauer abschließenden, bis 4500 m hohen Vulkane der Kirungagruppe. Nur im Nordosten klafft in dieser Umgrenzung eine Lücke, und durch diese ist alles, was an fremden Einflüssen und geschichtlicher Einwirkung ins Land kam, hereingedrungen 1^350; 330^.

Geologisch, orohydrographisch, floristisch, faunistifch und ethnographisch ist dieses große Gebiet ein einheitliches Ganze. Als eine gewaltige, durch tektonische Vorgänge und erosive Wirkung vielfach gegliederte und zerschnittene Plateaumasse erhebt sich das meist aus Schiefertonen, Tonschiefern, Quarziten und Sandsteinen aufgebaute Land über die Urgneis- und Granitformation seiner Umgebung, zu der es auf den meisten Seiten in steilen, 100400 m hohen Stufen abfällt. Nach den vorherrschenden Tonschiefern im ganzen Zwischenseengebiet ist seine Bezeichnung als Tonschieferplateau wohl berechtigt. Das Liegende der Tonschieferformation ist hier, wie überall in Deutsch- Ostafrika, Gneis und Granit verschiedener Struktur. Über der Tonschieferformation aber sind die Quarzite abgelagert worden ^318; 168^.

Durch gewaltsame tektonische Vorgänge wurden diese wahrscheinlich paläozoischen Schichten über den Meeresspiegel gehoben, aufgerichtet, verworfen und geknickt, und das ganze gehobene Plateau durch Spannung, Druck und Bruch in große Schollen zerstückelt, wahrscheinlich zu derselben Zeit, als die großen Grabenversenkungen im Osten und Westen