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Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika.

Seit einiger Zeit ist Ruanda sowie Urundi durch das Gouvernement wegen schwerer Übergriffe von Viehhändlern, die das Volk zur Gegenwehr reizten, für den auswärtigen Verkehr geschlossen; aber der Schmuggelhandel, der Rindshäute und Ziegenfelle herausholt und Baumwollenstoffe, Perlen, Kupfer usw. hineinbringt, blüht so, daß sich nahe der Grenze ganze Händlerdörfer, meist Inder, angesiedelt haben. Die Wiederöffnung könnte unter strenger Kontrolle am besten von der dem Victoriasee am nächsten gelegenen Ostprovinz Kissaka ans erfolgen, weil die ganze Tendenz des Verkehrs von Ruanda und Urundi seit dem Bestehen der Ugandabahn nach dem Victoriasee hingeht. Dann wird es auch Zeit, eine sichere und schnelle Verbindung Ruandas mit dem Victoriasee durch eine Eisenbahn zu schassen.

Damit, aber auch erst damit, wäre die nötige Vorbedingung für eine entwickelungs­fähige europäische Besiedelung jener Bergländer gegeben. Daß namentlich Hoch-Ruanda und dort wieder die Landstriche zu beiden Seiten des Randgebirges mit ihrem kühlen Klima, ihrem Reichtum an Quellen, ihren üppigen Grashängen, ihrem prächtigen Waldwuchs die natürlichen Eigenschaften eines guten Europäersiedellandes in der Tropen­zone besitzen, wird von allen, die Hoch-Ruanda kennen, ohne Ausnahme anerkannt. Ob diefe Landstriche ganz malariafrei sind, ist freilich noch fraglich; aber das ist beim heutigen Stand der Chininbehandlung eine Frage zweiten Ranges für die europäische Besiedelung. Das Wichtigste ist, daß die Ansiedler dort ein Klima finden, welches, wie das heimische, durch den starken Wechsel der Temperaturen, der Luftfeuchtigkeit, der Besonnung usw. die Nerven in Spannkraft erhält und den ganzen Organismus vor der Erschlaffung bewahrt, die in rein tropischen Gebieten der gefährlichste Feind der Kolonisten ist M8; 26i^.

4. Das Gebiet der Kirungavulkane.

Das Vulkangebiet im äußersten Norden Ruandas verdient eine besondere, vom übrigen Hoch-Ruanda unabhängige Betrachtung, weil es eine eigenartige kleine Welt für sich ist. Das Gebiet der Kirung avulkane, wie wir sie mit einem zusammenfassenden Namen (S. 317) benennen wollen, erstreckt sich zwischen Mpororö im Osten, wo sie der Mwuleru- Ruhondosee begrenzt, bis zum Nordufer des Kiwusees im Westen. Im Süden gehört die nördliche Ruandalandschaft Mlera und ein Stück der Provinz Bugoie dazu; im Norden greift das Gebiet in kongolesisches Territorium bis in die Rutschurruebene hinein. Wir schließen aus geographischen Gründen das ganze natürliche Vulkangebiet in unsere Betrachtung ein.

Auf der Karte sehen wir die Kirungavulkane da liegen, wo der Ostrand des Zentral­afrikanischen Grabens vom Nordufer des Kiwusees aus einen weiten Bogen nach Osten beschreibt, um dann am Albert-Edward-See sich wieder dem Westrand zu nähern. Diese scharfe, fast rechtwinklige Abbiegung des Ostrandes nach Osten umschließt hier einen par­tiellen Kesselbruch, dessen innere, nördlich von den Vulkanen gelegene Schollen eingesunken sind und mit ihren Kämmen inselgleich aus den jungvulkanischen Aufschüttungen herausragen ^335; 4.^. Während das Gestein des östlichen Grabenrandes hauptsächlich Glimmerschiefer ist, tritt mit der plötzlichen Abbiegung des Grabenrandes nach Osten Granit in Gestalt von sehr grobkörnigem Pegmatit auf ^335; 46^. Zweifellos stehen die Vulkane auf einer solchen granitifchen Unterlage, die den ganzen Grund des beschriebenen Bruchkessels ausfüllt. Ostlich vom Mwulerusee, also östlich vom Vulkangebiet, steht hingegen Tonschiefer an.

An dem scharf abgebogenen Bruchrand der Kesselsenke und seiner benachbarten Trüm­merzone ist das junge Magma aus der Erdentiefe aufgestiegen und hat die stolzen Kirunga-