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Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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17. Das Zwischenseengebiet. Karagwe.

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Wahindafamilie Karagwes groß; mit Numanika, den Stanley so eindrucksvoll als großen Herrscher geschildert hat, stand sie auf der Höhe, ging aber unter seinen Nachfolgern, die das Land den Greueln blutiger Familienkriege preisgaben, schnell nieder, bis das deutsche Regiment Karagwe dem benachbarten Sultan Kahigi von Kyanja unterstellte.

Die durch die Viehseuche großenteils besitzlos gewordenen Wahuma Karagwes haben sich notgedrungen auf den Ackerbau verlegt, der bis dahin die eigentliche Domäne der Bantu- Urbevölkerung, der Wanjambo, war. Dieser Bantustamm unterscheidet sich durch reinen Negertypus scharf von den Wahuma-Hamiten, aber die äußere Lebensausstattung in Woh­nung, Kleidung, Geräten usw. ist beiden Stämmen gemeinsam. Die Hütten der Karagwe- leute. haben den kegelförmigen Wagandastil ^316; 32^. Mehrere Hütten sind durch einen Dornenzaun zu einem Dorfe vereint, das gewöhnlich von Bananenhainen umgeben ist. Kleinvieh, wie Ziegen, Schafe, Hühner, übernachtet mit in den Hütten. Das Kleinvieh wird des Fleisches wegen gehalten, während die Rinder auch zur Zeit, als es deren noch im Überfluß gab, nur ausnahmsweise für Fleischnahrung geschlachtet wurden.

Das Haupterzeugnis des Ackerbaues ist nächst der Banane die Eleusinehirse, die auch bei Dürre noch Erträge liefert, und daneben Mais, Bohnen (^liassolus vuIZaris), Ba­taten, Erbsen, Kürbisse. Jagd und Fischfang werden wenig betrieben. Auf den fischreichen Kagera und auf die vielen Seen des Landes wagt sich der Karagwemann kaum hinaus, da seine Kanus infolge der Holzarmut des Landes nur elende kleine Einbäume sind.

Als Kleidung dienen beiden Rassen mit Fett geschmeidig gemachte Felle oder ein­geführte Baumwollenstoffe. Die ursprünglichen großen Gras- oder Raphiaschurze der Bantu- Urbevölkerung sind daneben fast ganz verschwunden. Verzierung durch bogenförmige Narbentätowierung, Haarfrisuren a 1a. bayrischer Raupenhelm, Behängungcn mit viel Schmuck aus Perlen, Tierzähnen, Metalldraht usw. sind bei den Wakaragwe in hohem Grad beliebt ^316; 37,38^. Unter den Waffen haben Speere und Pfeile die typische Wahumaform der länglichen Lanzettspitze mit zwei ausgesparten Blutrinnen. Die Bogen sind in Karagwe von erstaunlicher Größe, in Ruanda bis 1,50 iri lang, aber Schilde kommen selten vor.

Karagwe hat einst im Handel des Zwischenseengebietes eine bedeutende Rolle ge­spielt. Von Tabora über Ussuwi zogen die Karawanen der Araber durch Karagwe (Station Kafuro) nach Kitengule am Kagera, wo sie den Strom überschritten und nach Uganda und Unjoro weitergingen, um Elfenbein und Sklaven zu erhandeln ^187; 224^. Jetzt geht der Handel infolge der Ugandabahn von Bukoba über Njagahauga in Mittel-Karagwe, wo europäische Niederlassungen Fellgeschäfte mit Ruanda machen, nach den westlichen Ländern, während am Kagera der Ort Kifumbiro an Stelle von Kitengule der wichtigste Handels­platz geworden ist, der Bukoba mit den nordwestlichen Ländern verbindet ^351; 20^.

2. MPororö.

Die Landschaft Mp 0 r 0 in der äußersten Nordwestecke unserer ostafrikanischen Kolonie ist nur ein Stück des viel größeren gleichnamigen Gebietes, das durch die deutsch­englisch-kongostaatliche Grenze in drei Teile zerschnitten worden ist. Der kleinere, aber seiner natürlichen Beschaffenheit nach wertvollere Teil ist unserer Kolonie zugefallen, der große Rest liegt halb im englischen, halb im kongolesischen Gebiet.

In seiner Gesamtheit gehört Mpororö der großen Tonschiefermasse des Zwischen­seengebietes an, aber die starken tektonischen Störungen, von denen auch dieser Teil des

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