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Ostafrika.
Überschauen wir die einzelnen Landschaften des Zwischenseengebietes, so können wir bezüglich der östlichen, zum Victoriasee sich abdachenden Länder auf den Abschnitt Victoriasee (S. 282) verweisen. Westlich daran schließen sich die großen Landschaften: 1) Ka- ragwe nebst dem südlich damit zusammenhängenden West-Ussuwi, 2) Mpororö in der Nordwestecke unseres Schutzgebietes, 3) das große Ruanda, 4) das südlich daran grenzende Urundi. (Vgl. das Kärtchen auf S. 326.)
1. Karagwe.
Geologisch und tektonisch gesprochen, ist Karagwe in dem Zerbrochenen Schollenland des Zwischenseengebietes (S. 301) die mittlere der großen Bruchschollen. Im Osten begrenzt dnrch eine lückenlose, von Bugara im Norden bis zum südlichen West-Ussuwi reichende Steilwand, im Westen durch den Abfall zur Sumpf- und Seenkette des meridionalen Kageramittel- laufes, stellt diese Bruchscholle ein Hochplateau von 1400—1600 m Höhe dar, das politisch die Länder Karagwe, Nhimba und West-Ussuwi umfaßt. Nur in der südlichen Landschaft West-Ussuwi und in den Rändern des Karagweplateaus ist das Land bergig und von der Erosion zerfurcht, aber in der Hauptmasse ist es ein welliges oder hügeliges Plateau, dessen charakteristisches Merkmal die vielen kleinen, mehr oder minder versumpften Seen sind ^351; 3i^j. Alle Bäche und Flüsse fließen nach Norden. Heiße Quellen entspringen im Norden des Landes bei Mtagata und sind das Anzeichen einer dortigen tektonischen Störung; das ca. 52° heiße Wasser wird von den Eingebornen zu Heilbädern benutzt ^187; 663^.
Während der Süden dieses Gebietes, also das bergige West-Ussuwi, reiche Nieder- schlüge von den dort auf die Erhebungen auftreffenden Südostpassatwinden empfängt, ist es in dem unter dem Wind liegenden welligen Plateauland des eigentlichen Karagwe schlechter damit bestellt. Während des Südwinters hat das Land ausgesprochene Trockenzeit. Auch in der Regenzeit (Januar bis Mai) sind die Vormittage klar, worauf jeden Nachmittag heftige Gewittergüsse folgen. In der Nacht füllt die Temperatur bis auf 12°, und frühmorgens liegt starker Tau und oft dicker, feuchter Nebel auf dem Land ^187; 225, 237, 243. 316; 32^.
Fast in allen Landschaften sind Berge, Ebenen und Täler mit 50—80 em hohem Gras bewachsen, zwischen dessen Büscheln in der Regenzeit ein prächtiger Blütenflor von Zwiebelgewächsen, Winden, gelben Kompositen, Senecien, ^ueiroxoäiurri und anderem aufsprießt. Jedoch in den Trockenmonaten verdorrt alles zu gelbem Stroh. Der Baumwuchs im Grasland beschränkt sich auf einzelne Akazien, Dracänen, ?ieu8 und ist so spärlich, daß in Karagwe Bau- und Brennholz zu den Kostbarkeiten gehört. Nur in den das Wasser haltenden Niederungen und in tieferen Bachschluchten wuchert eine üppigere Vegetation von Juncaceen, ^momuiri, wilden Bananen (Nusa^nsets), Heliotrop, Brombeeren, Olenia- tis, Farnen usw., während in größeren Höhen viele Charaktergewächse des abessinischen Hochlandes vorkommen ^187; 225, 246. 74; 115^. Die Ufer der Flüsse und zahlreichen Sumpfseen aber sind mit einem breiten Band 4—6 ni hoher Papyrus- und Schilfdickichte gefäumt.
Dem vorwiegenden Graslandcharakter Karagwes entsprechend ist seine Fauna Steppenfauna ostafrikanischer Formen. Doch ist das ganze Land arm an Tieren; nur das Rhinozeros ist hier zahlreicher als in jedem anderen Teil des Zwischenseengebietes.
Auf den Triften weideten noch vor zwei Jahrzehnten viele Tausende der großhörnigen Wahnmarinder, aber die furchtbare Riuderpest zu Anfang der 1890er Jahre hat den ganzen Reichtum zugrunde gerichtet, und erst neuerdings beginnen sich die Herden wieder zu mehren. Die Viehzucht ist die Beschäftigung der Wahuma. Einst war die Macht der herrschenden