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Ostafrika.
Baumwollenstoffe finden aber durch den wachsenden Verkehr immer mehr Eingang. Waffen und Schmuck ähneln sehr denen der Warundi. Ein besonders beliebter Zierat sind kunstvolle, mit Perlen verzierte Frisuren in den mannigfaltigsten Formen.
Die einstige zähe Abgeschlossenheit gegen die Außenwelt, die ihre Eigenart zu so charakteristischer Entwickelung gebracht hat und die Waha wegen ihrer Ungastlichkeit berüchtigt gemacht hatte, haben sie schon seit Jahren aufgegeben und sich in ein gutmütiges Volk umgewandelt. Viele Händler aus Tabora und Udjidji durchziehen das Land, um Kleinvieh, Wachs, Salz uud Felle gegen Baumwollenzeug, Perlen, Draht usw. einzutauschen, und es kann nicht fehlen, daß bei unserem weiteren Eindringen in das zentrale Tafelland sein nordwestliches Grenzgebiet Uha ein nützliches Glied in der Kette unserer Handelsbeziehungen wird.
16. Der Wictoricrsee.
1. Der Tee.
Im Norden des Zentralplateaus von Unjamwesi ist der größte See Afrikas, der Victoria - Njansa, in das Hochland eingesenkt. Vom 1.° südl. Br. mitten durchschnitten, fällt er mit seinem größeren südlichen Teil in das deutsche Schutzgebiet, mit dem nördlichen kleineren in das britische Ugandaprotektorat. Er hat die Gestalt eines unregelmäßigen Vierecks, mit nach Nordosten und Südwesten vorgestreckten Zipfeln. Sein Flächeninhalt ist (nach Whitehouse) rund 66,500 ^Inn groß, d. i. soviel wie Bayern ohne die Pfalz; er liegt 1132,5 m über dem Meeresspiegel ^P. M. 1909; 21^.
Zu dem Seegebiet als geographischer Einheit gehören natürlich auch seine Rand- landschaften. Wir begreifen darunter die orohydrographisch, klimatisch und kulturell mit dem See verbundenen nächsten Nachbarlandschaften des Sees, d. h. von Osten südwärts fortschreitend die Länder Kawirondo, Ugaia, Uschaschi, Ussukuma, Usindja, Ost- Ussuwi, Ihangiro, Kisiba, Buddu und die seewärts abdachenden Teile von Uganda.
Das Becken des Victoriasees ist im ganzen sehr flach; mit 75 m Durchschnittstiefe steht er weit hinter dem Tanganjika und Njassa zurück l^41, 1902; 164-165, 202^. Stuhlmann, Dantz und andere erklären das Njansabecken für einen großen, wenn auch flachen Kesselbruch, in dem eine große meridionale Absenkung im Westen stattfand, während die vielen Buchten und Golfe der Süd- und Ostseite auf radiale Einbrüche und mannigfache Querbrüche Zurückzuführen sind, so z. B. der lange schmale Smithfund (Bukumbigolf) im Süden, der große Spekegolf im Südosten und wahrscheinlich auch der Emin-Pascha-Golf im Südwesten. Desgleichen sieht H. G. Lyons ^325^1 in dem Seebecken einen von zwei stehengebliebenen Horsten herabgesunkenen Einbruch. Für diese Auffassungen spricht auch die Tatsache, daß die Ufer des Sees an vielen Stellen so schroffe, bis über 100 m hohe Steilabfälle bilden, wie fie durch Erosionswirkung des Sees nicht erklärt werden können, und ebenso weisen darauf hin die große Zahl von Inseln und die steilen Klippen am und im See, die im Gegensatz zu den sanften Erhebungen der Berge in größerer Entfernung vom See stehen. I. Kuntz 1^50; 14^ führt die Depression des Victoriagebietes darauf zurück, daß die Landstriche westlich und östlich des Sees fich als Ränder der beiden großen meridionalen Gräben hoben, während das Victoriaseegebiet seine ursprüngliche Höhe beibehielt. Dadurch wurde der bisherige Abfluß der Gewässer nach Osten gehemmt, und auch nach Norden wurden die Abflüsse durch jungvulkanische Eruptionen gestaut, deren Monolithe jetzt der Nilausfluß durchschneidet.